Das Ski-Bataillon
Ein namentlich nicht genannter Erzähler berichtet
Ende Oktober 1943 empfing die Ski-Kompanie in Uleåborg die neuen Rekruten, die aus Norwegen gekommen waren. Damit löste sich die Ski-Kompanie auf und das Ski-Bataillon wurde aufgestellt.
1. Kompanie: Kahrs (Bergen)
2. Kompanie: Skjefstad (Elverum)
3. Kompanie: Steen (Trondheim)
4. Kompanie: Uglestad (Drammen)
Ich kam zur 1. Kompanie und wurde stellvertretender Gruppenführer der 1. Gruppe im 2. Zug.
Der 1. Zug war ein Granatwerfer-Zug – er hatte einen Granatwerfer.
Der 2. Zug war ein Spezialzug mit leichten Waffen. Jede Gruppe hatte ein leichtes Maschinengewehr, ansonsten Maschinenpistolen oder Scharfschützengewehre. Dieser Zug war gewissermaßen ein Spezialzug, der den Chef decken sollte, wenn er unterwegs war.
Der 3. Zug war ein gewöhnlicher Zug mit MG und Maschinenpistolen.
Auf dem Marsch gingen wir in der Regel in der Reihenfolge 2.-3.-1. Zug, also mit dem 1. Zug am Schluss.
Kurz vor Weihnachten kam die Nachricht, dass das Ski-Bataillon an der Front unter dem Kommando von Sturmbannführer Banner eingesetzt werden sollte. Das war ein Soldat! Schade, dass er so viel trank! Er war ein kaltblütiger Bursche, der sich oft in die Feuerlinie stellte, brüllte, mit den Armen fuchtelte und seine Befehle gab.
Dieser Banner war eigentlich Regimentskommandeur. Es war Halle, der später kam, der Chef des Ski-Bataillons wurde.
Gleich nach Weihnachten 1943 wurden wir von Uleåborg oberhalb der Kestenke-Kreuzung verlegt. Hier lagen wir direkt hinter den Schützengräben und führten Übungen durch, da wir ja neue Leute bekommen hatten. Nach kurzer Zeit wurden wir dann an die Front geschickt, wo wir einen eigenen Abschnitt erhielten. Wir lagen zunächst auf einer Höhe, die wir Höhe 200 nannten. Hier bauten wir uns ein kleines Hüttendorf aus Reisighütten und lagen dort 6 Wochen. Vor uns hatten wir Deutsche. Es war deren Aufgabe, Wache zu halten, während unsere Aufgabe darin bestand, auf Patrouille zu gehen. Bei Alarm trat das Ski-Bataillon in Aktion. Eine zusammenhängende Front mit Schützengräben gab es nicht. Die Front war nichts anderes als eine Reihe von Stützpunkten.
Wir gingen also in Jagdkommandos hinaus, aber bevor wir zur vordersten Linie kamen, waren wir auch dabei, als das gesamte Regiment einen Angriff unternahm. Zur Einleitung wurden eines Tages drei deutsche Strafkompanien vorgeschickt, die hier lagen. In einer der Kompanien befanden sich auch drei Norweger. Diese Kompanien sollten einen kleinen russischen Feldposten von 40 Mann angreifen. Das war allerdings ein Irrtum. Die Kompanien stießen nicht auf 40 Russen, sondern auf ein paar Tausend, und das bekam ihnen schlecht.
Als die Männer zurückkamen, waren sie zerlumpt und übel zugerichtet, einige ohne Hemden, nach rasenden Nahkämpfen. Von einer der Kompanien kamen nur drei Mann zurück.
Die drei Norweger kamen durch, und einer von ihnen erhielt sogar das Eiserne Kreuz. Sie hatten nicht in der Kompanie gestanden, die aufgerieben worden war.
Am Abend dieses Tages war das gesamte Ski-Bataillon hinter einer Höhe versammelt worden, und dann rückten wir zusammen mit dem Regiment vor.
Als wir bis unter die russischen Stellungen gekommen waren, hörten wir Geschrei und Gejaule von Hunden. Die Russen schossen Leuchtraketen. Wir schlichen uns weiter, und dann bildete das gesamte Bataillon ‚Igelstellung‘. Und dort kam es gegen 3-4 Uhr morgens zu einem wilden Kampf. Eine Funkmeldung teilte uns mit, dass große russische Verstärkungen im Anmarsch seien.
Das Ski-Bataillon erhielt nun den Befehl, vorzugehen und die Strafkompanien zu unterstützen, die mit dem russischen Feldposten kämpften. Während wir dort lagen und auf den Befehl zum Vorrücken warteten, begannen die Russen, mit ihren schweren Granatwerfern zu schießen, die mächtige Bäume knickten. Es wurden daraufhin 35 Mann ausgewählt, der gesamte 2. Zug unter Führung von Gauslå und mit mir als Stellvertreter. Wir sollten uns bis zur Kamplinie vorschleichen.
Inzwischen hatten deutsche Flugzeuge die russischen Verstärkungen entdeckt und bombardiert.
Dann gingen wir vor, während der Rest des Bataillons zurückblieb. Wir hatten einen Sanitäter und einen Melder bei uns, der die Verbindung zwischen mir und Gauslå halten sollte.
Wir gingen so weit vor, dass wir schließlich von allen Seiten wilden Kampf um uns hatten. Wir mussten uns daher eingraben, und wenn wir vorgingen, krochen wir vorsichtig mit den Skiern in der Hand, denn wir hatten die Skier abgeschnallt. So arbeiteten wir uns ein paar Hundert Meter vorwärts, aber dann waren wir von russischen Flugzeugen entdeckt worden, und aus der russischen Hauptstellung direkt vor uns schossen die Russen mit Granatwerfern und Artillerie, sodass große Teile des Waldes verwüstet wurden.
Wir zogen uns daher zurück.
Aber überall waren Russen, also erhielt das Bataillon den Befehl zum Rückzug, und wir gingen an einem See entlang zurück, bis wir wieder in unseren Stellungen auf Höhe 200 waren. Wir kamen als letzte auf der Höhe an und sahen, dass das Bataillon in wildem Durcheinander war.
Wir blieben dann einige Tage auf der Höhe. – Dies war 1944. Dann wurden wir wieder alarmiert, und als wir vorgingen, zogen sich die Russen zurück. Wir lagen die ganze Nacht vor den Minensperren und warteten auf einen russischen Angriff, der aber nicht kam.
Die 2. Kompanie – unter Führung von Skjefstad – war eines Tages auf Patrouille gegangen, als sie kurz außerhalb des Minenfeldes direkt in eine russische Lauerstellung geriet. Zwei Mann fielen und zwei wurden verwundet.
Wie kam es, dass Gust Jonassen fiel?
Das geschah im März 1943. Jonassen war auf Patrouille gewesen, und als er zurückkam, geriet er in eines unserer Minenfelder. Die Regel war, dass wenn eine Patrouille zurückkehrte, der Wachtposten vorn ihnen ein Zeichen geben sollte, wo sie gehen mussten. Denn man musste sehr genau gehen, um nicht auf unsere Minen zu treten. Der begehbare Weg war oft nur so breit wie eine Skispur, sodass die Wachen aufpassen mussten.
Aber der Posten, auf den Jonassen traf, war nicht aufmerksam genug gewesen. Es war ein Deutscher, und er gab keine Anweisung. Jonassen war müde und durchnässt – ja, ihr wisst, wie das ist – also kommandierte er Verteilung, und daraufhin lief der Zug in das Minenfeld und die Minen detonierten. Es waren S-Minen.
Jonassen wurde furchtbar verwundet. Ich half, ihn zum Flugzeug zu tragen, das ihn ins Lazarett bringen sollte, aber er starb im Flugzeug.
Bilden bekam eine Kugel in die Brust und wurde getötet. Das war ein feiner Kerl!
Ein gewisser Strand starb auf der Stelle.
Außerdem fiel ein Deutscher, der der tüchtigste Soldat an der ganzen Front war und von den Deutschen den Spitznamen ‚Schrecken der Russen‘ erhalten hatte. Er sollte in zwei Tagen auf Urlaub fahren und zum Offizier befördert werden.