Hinweis: Diese Übersetzung wurde mit Hilfe von Claude Code erstellt. Bitte beachten Sie den norwegischen Originaltext für den vollständigen und authentischen Wortlaut.
Inhalt

NARVIK 1940

„Die Stadt mit der Kanone“

von Konrad Sundlo – Februar 1955

(Redigiert und etwas gekürzt von Harald Sundlo, Oktober 2000)

Inhalt

  1. Einleitung

  2. Vor dem 9. April

I. „Die Festung Narvik“

II. Die militärische Bedeutung des Abschnitts Narvik

III. Der Abriss, der 1940 möglich machte

IV. Die Front zum Meer

  1. Die Garnison Narvik

  2. Es zieht auf – Wir bereiten uns vor

  3. Dann kam der 9. April

  4. Die Zeit nach dem 9. April

  5. Schluss

Einleitung

Narvik war weder eine Festung noch ein befestigter Platz.

Das Militärgericht Eidsivating erklärte in seinem Urteil vom 13. Mai 1947 – einem Urteil, dem der Oberste Gerichtshof am 5. Oktober 1948 beitrat:

„Das Gericht ist einstimmig der Auffassung, dass die Stadt Narvik weder Festung noch befestigter Platz war, auch wenn es einige mehr oder weniger stationäre vorbereitete Stellungen innerhalb des Stadtgebiets gab: zwei Blockhäuser und besetzte Schützengräben. Narvik ist als offene Stadt anzusehen, und die Übergabe ist als im offenen Feld erfolgt zu betrachten.“

Vor dem 9. April

I Die Festung Narvik

Narvik liegt im inneren Ofoten, auf der äußersten westlichen Spitze der Halbinsel zwischen Rombakken im Norden und Beisfjord im Süden und umfasst die gesamte Landspitze. Das Stadtgebiet wird also im Norden, Westen und Süden vom Meer begrenzt, im Osten jedoch von einem wilden Bergmassiv, das sich vom Fagernesfjellet (1270 m) am östlichen Stadtrand ostwärts bis zur schwedischen Grenze erstreckt.

Die Stadt misst etwa 2 km in West-Ost-Richtung und etwas weniger in Nord-Süd-Richtung.

Der erste Eindruck soll ja entscheidend sein, so sagt man, und mein erster Eindruck von Narvik und den Narvik-Leuten war ausgezeichnet. Als meine Frau und ich im Sommer 1933 den Fjord hinauffuhren, um uns in Narvik niederzulassen, lag Ofoten im herrlichsten Sonnenschein. Und als ob das nicht Empfang genug gewesen wäre, hatte die weitberühmte Fliegerin Gidsken Jakobsen es sich in den Kopf gesetzt, gerade an diesem Tag eine Spritztour zu unternehmen. Hoch oben in den Lüften brauste sie uns entgegen und blickte mitleidig auf die elenden Geschöpfe herab, die sich auf einem Fjordboot dahinschleppten.

Am Kai wurden wir vom stellvertretenden Regimentskommandeur empfangen, meinem alten Freund Major Olav Five mit Gattin. Vor dem Regimentsbüro hatte der gesamte übrige Stab Aufstellung genommen, so dass der Empfang des neuen Regimentschefs in den vortrefflichsten Formen abgewickelt wurde.

Am nächsten Tag gingen wir hinaus, um uns in der Stadt umzusehen, und der Unterschied zwischen Narvik und Tromsø – wo ich die letzten drei Jahre als garnisonierender Major gewohnt hatte – war auffällig. Narvik ist ja eine junge Stadt, erst etwa 50 Jahre alt, geplant und ausgebaut als Verschiffungshafen für das mächtige Kiiruna-Luossavaara Aksjebolag, während die anderen nordnorwegischen Städte so gewachsen sind, wie es sich eben ergab, von den Bootshäusern unten am Strand an. In Tromsø standen damals, als ich dort lebte, jahrhundertealte Buden an der Hauptstraße. Aber so etwas sieht man in Narvik nicht. Als Stadt betrachtet ist Narvik daher eine klare Nummer eins unter den Städten in den nördlicheren Gegenden unseres Landes.

Und dann das Volk: Auch das ist Nummer eins.

Etwas, das mir schon bei meinem ersten Spaziergang durch Narvik auffiel, war, dass die Mädchen so hübsch und die Männer so wohlgewachsen waren. Ich hatte massenweise hübsche und wohlgewachsene Menschen sowohl in Tromsø als auch in den anderen nordnorwegischen Städten gesehen, aber dort war der Typus so ungleichmäßig. Da gab es Riesen von sechs bis sieben Fuß und kleine Knirpse, die sich auf schiefen und krummen Streichholzbeinchen vorwärts wackelten. Da gab es prächtige Mädchen nordischen Typs und mongolisch anmutende Kinder mit runden Köpfen und Schlitzaugen. Die Leute in Tromsø und weiter nördlich waren so gemischt.

Nein, da war Narvik etwas ganz anderes!

Als Chef des Infanterieregiments Nr. 15 „Nord-Hålogaland“ war ich zugleich Verteidigungschef für das innere Ofoten, das heißt für das Gebiet von Liland einschließlich bis zur schwedischen Grenze. Das war eine gewaltige Aufgabe, die es kennenzulernen galt, aber ich kam doch überall herum in den Jahren, die ich in Narvik war.

Das Erste, wonach ich Ausschau hielt, war, ob es irgendwelche Befestigungen im Gebiet gab. Narvik war ja ein Verschiffungshafen ersten Ranges. Man sagte mir, es gebe in der ganzen Welt keinen Salzwasserhafen, der mehr Erz verschifft als Narvik. Der einzige Hafen mit größerem Verkehr soll ein Süßwasserhafen sein, ein Verschiffungshafen an den Großen Seen in den USA.

Da Narvik ein so bedeutender wirtschaftlicher Faktor war, hatte ich allen Grund zu glauben, dass hier, im inneren Ofoten, eifrige Festungsbauer am Werk gewesen waren.

Das waren sie denn auch gewesen, in der Landschaft östlich von Narvik, bei der Eisenbahnstation Sildvik, wo ein paar Forts mit Front gegen Schweden liegen sollten. Ich beschloss, mir diese Anlagen anzusehen, sobald ich mich ein wenig eingerichtet hatte, und so sagte ich eines Tages im Sommer 1933 zu meinem Regimentsintendanten, Hauptmann Østvik: „Da liegen ja einige Forts bei Sildvik. Wie steht es mit denen? Ist es das Regiment, das die Verantwortung für sie hat, oder wie ist das?“

„Alles bei Sildvik untersteht dem Festungsartillerie, das einen garnisonierenden Quartiermeister dort stationiert hat“, sagte Østvik.

„Wir müssen ihm unsere Aufwartung machen“, sagte ich. „Ich denke, wir fahren morgen hin.“

Und das taten wir.

Einige Wochen zuvor waren Major Five und ich auf einer Tour entlang der Grenze gewesen, und als wir den Heimweg über Sildvik legten, kamen wir an den sogenannten Forts vorbei. Aber wir hatten nicht hineinkönnen, da wir die Schlüssel nicht mitgenommen hatten.

Aber jetzt würde ich schon hineinkommen, denn ich nahm den Regimentsintendanten mit, und der hatte Schlüssel. Außerdem hatte ich in den wenigen Wochen als Verteidigungschef entdeckt, dass Hauptmann Østvik der Mann war, der alles wusste! Obersten, Majore und Adjutanten verschwanden nach kürzerem Aufenthalt in Nordnorwegen in mildere Gefilde, aber Hauptmann Østvik und die beiden Quartiermeister, die Leutnants Blix und Storjord, wechselten nicht. Sie waren der treue und solide Stoff, der dafür sorgte, dass ein Zusammenhang zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart des Regiments bestand.

So nahm ich also Hauptmann Østvik mit und traf mit ihm auf der Eisenbahnstation Sildvik ein, wo wir den Stationsvorsteher Grenersen begrüßten. Es wurde einiges geredet, Schlüssel hervorgeholt, und eine halbe Stunde später standen wir im Nordfort, das einige hundert Meter östlich der Station Sildvik und ganz nahe bei der Eisenbahnlinie liegt.

Das Fort hatte tatsächlich Front gegen Schweden, und da es im Verhältnis zu den „feindlichen“ Stellungen tief lag, war es mit einem „schusssicheren“ Dach versehen. Wir fanden einen Stock und stocherten im Dach. Wir stocherten ein Loch hindurch! Alle Wetter!

Wäre Hauptmann Østvik vom Landsknechtstyp gewesen, wären seine Bemerkungen treffend, aber ganz gewiss unhöflich ausgefallen! So sagte er nur: „Das sieht nicht gut aus, Oberst! Kommen Kühe oder Pferde auf das Dach, brechen sie durch und werden dem Staat hohe Entschädigungsansprüche bescheren. Hier muss unbedingt etwas geschehen!“

Dann gingen wir zum Südfort.

Es lag eine Stunde Fußmarsch weiter oben im Gebirge, hoch zu den Höhen, oben am Sildvikvatnet, und dort ist es kalt wie sonst was. Dieses Fort sollte das stärkere der beiden sein, da es dazu bestimmt war, eine Kanone zu beherbergen, die quer über das Wasser reichen konnte.

Aber die Kanone war nicht da!

„Wo ist die Kanone, Hauptmann Østvik?“

„Die kommt erst bei der Mobilisierung.“

„Wie sollen wir sie hier heraufbekommen, ohne Weg?“

„Es ist vorgesehen, Böcke aufzustellen und eine Seilbahn zu bauen. Der Oberst hat vielleicht die vielen Stahlseile im Nordfort gesehen?“

„Seilbahn! Glauben Sie, man kann eine Kanone per Seilbahn hierheraufschaffen, mit ungeübten Leuten? In einigen Wochen kann man es vielleicht hinbekommen, aber in ein paar Tagen und möglicherweise mitten im Winter? Was meinen Sie, Hauptmann Østvik? Glauben Sie, das geht?“

„Herrgott weiß!“ sagte Hauptmann Østvik.

Als wir dastanden und uns von Grenersen verabschiedeten, kam uns eine Idee: Wie wäre es, wenn wir ihn nutzbar machten? Grenersen ging ja jede Woche an den Forts vorbei, da er im Auftrag des Wetterdienstes einige Messungen am Sildvikvatnet durchzuführen hatte. Er war ehemaliger Unteroffizier, ein ordentlicher und tüchtiger Mann, und deshalb sagten wir:

„Hören Sie, Grenersen. Sie, der Sie gleich neben diesen Forts und Gebäuden und Depots wohnen. Können Sie uns nicht helfen? Können Sie nicht einmal die Woche einen Rundgang um diese Anlagen machen und nachsehen, ob die Forts noch da sind, oder ob jemand sie gestohlen hat? Können Sie das nicht tun? Dann bekommen Sie eine kleine Vergütung dafür und wir ersparen dem Staat die vielen Ausgaben für einen garnisonierenden Quartiermeister.“

Jawohl. Das wollte Grenersen.

Als ich nach Narvik zurückkam, setzte ich mich an den Schreibtisch und schickte einen Brief an die Division, deren Chef damals Generalmajor Harald Johannessen war. Ich schlug vor, die Sildvik-Befestigungen dem Festungsartillerie zu entziehen und dem Regiment zu unterstellen. Das Festungsartillerie hatte in der Praxis gezeigt, dass es nicht der rechte Verwalter war, während das Regiment sich kräftig ins Zeug legen würde, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Könnte das Regiment über die Mittel verfügen, die dem Festungsartillerie zur Verfügung gestanden hatten, würde es bald eine Festung geben!

Und die Division war einverstanden.

Aber das Ministerium – von manchen „der Krummling“ genannt – musste natürlich zeigen, wer der Größte war. Die Sildvik-Befestigungen wurden zwar an das Regiment übertragen, aber dieses erhielt bei weitem nicht die Mittel, über die das Festungsartillerie verfügt hatte, auch nicht den großen Betrag, der durch das Verschwinden des garnisonierenden Quartiermeisters eingespart wurde.

Es wäre doch vernünftig gewesen, dass das Regiment auch über diesen Betrag hätte verfügen können, zumindest eine Zeitlang, bis die schlimmsten Mängel behoben waren. Aber nein danke. Keine Rede davon!

Nein, nein. Ich musste mich ohne behelfen – denn ich hatte Hauptmann Østvik und der bekam freie Hand.

Und der Infanterist, Intendant und „Nichtkombattant“ Hauptmann Østvik tat, was der Spezialist Festungsartillerie nicht getan hatte: Er baute die Sildvik-Forts wieder in brauchbaren Zustand auf. Das Nordfort bekam ein solides Dach, das sowohl Kühe als auch Pferde tragen konnte. In beiden Forts wurde aufgeräumt, und als der Krieg kam, führte ein fahrbarer Weg hinauf zum Nordfort, ein Weg, den wir bis zum Südfort fortzuführen gedachten, wohin ja die unbekannte Kanone gebracht werden sollte, die irgendwoher bei der Mobilisierung kommen würde.

Es gab jedoch etwas, das wir nicht ändern konnten, und das war die Lage der Befestigungen. Sie lagen weiterhin mit Front nach Osten und gewissermaßen quer über die Eisenbahnlinie, mit der Nordflanke an den Fjord gelehnt.

Das war falsch.

Die Befestigungen hätten in Galerien an der Nordseite von Rombaksbotn liegen sollen, also parallel zur Eisenbahnlinie. Mit Artillerie ausgestattet hätte man die gesamte Eisenbahnlinie von Narvik bis Björnefjell beschießen können, und sie wären praktisch uneinnehmbar gewesen. Von diesen Galerien aus hätte man im April 1940 wirksam die deutschen Zerstörer im Hafen von Narvik beschießen und es den Deutschen unmöglich machen können, auf der Eisenbahnlinie zwischen Narvik und Björnefjell hin und her zu fahren.

Aber die Befestigungen lagen nicht auf der Nordseite von Rombaksbotn, und damit ist zu dieser Sache alles gesagt. Es lässt sich nur hinzufügen, dass ich eine Zeitlang erwägte, ob ich nicht eine Eingabe zur Sprengung solcher Galerien einreichen sollte. Aber ich ließ es sein. Ende der dreißiger Jahre hätte kein Storting, kein Ministerium Millionenbeträge für Festungen bei Narvik bewilligt. Man hätte mich wohl für überspännt gehalten. Aber ich erwähnte die Sache einmal gegenüber dem Generalinspekteur der Infanterie, Oberst Johan L’Orange, und er erfreute mich mit der Mitteilung, der Generalstab habe Galerien in den Fels an der Nordseite des Rombakken gewünscht. Aber irgendjemand – ich erinnere mich nicht mehr, wer – hatte darauf hingewiesen, dass es billiger wäre, einige kleine Forts auf der Südseite anzulegen. Und dabei blieb es. Aber der „dadurch eingesparte Betrag“ war 1940 schuld daran, dass Narvik zum Kriegsschauplatz wurde und die Deutschen beinahe nach Belieben zwischen Narvik und Björnefjell verkehren konnten.

Als ich mein Studium der Sildvik-Befestigungen abgeschlossen hatte, begann ich nach jenen Festungen zu suchen, die Narvik gegen Angriffe von Westen, vom Meer her, verteidigen sollten. Aber ich konnte keine einzige finden!

Es gab keine!

Der größte Erzverschiffungshafen der Welt lag völlig offen für Angriffe von See.

Ich sah es natürlich als eine meiner Hauptaufgaben an, diesen Zustand zu ändern, und nahm die Sache gegenüber der Division auf, so in einem Schreiben vom 26. Oktober 1936:

II Die militärische Bedeutung des Abschnitts Narvik

Mit dem wachsenden Einfluss der Leistungsfähigkeit der Kriegsindustrie muss man wohl feststellen können, dass die militärische Bedeutung Narviks ständig zugenommen hat.

Das Erz, das von Narvik verschifft wird, wird in jedem Fall eine solche Rolle spielen, dass man – in stärkerem Maße als früher – damit rechnen muss, dass die eine Machtgruppe ein Interesse daran haben wird, den Erztransport zu stoppen. Dieses Verhältnis braucht kaum näher dargelegt zu werden.

Es ist wohl auch nicht auszuschließen, dass die eine Machtgruppe in einer gegebenen Situation daran denken könnte, sich in Narvik festzusetzen und sich selbst die Erzzufuhr zu sichern.

In diesem Zusammenhang kann vielleicht auf den Besuch von Reichswehrminister Blomberg in Narvik im Oktober dieses Jahres hingewiesen werden. Der Reichswehrminister unternahm bekanntlich um diese Jahreszeit eine Reise an Bord der „Grille“ in die Gewässer um Hammerfest, wo – nach Zeitungsmeldungen – seine Bewegungen von zwei russischen U-Booten verfolgt wurden. Von Hammerfest reiste der Minister direkt nach Narvik, wo die „Grille“ anderthalb Tage lag und wo Offiziere und Mannschaften die Stadt mit großem Interesse besichtigten. Der Reichswehrminister unternahm mit seinem Gefolge auch eine Fahrt mit der Ofotbahn hinauf zur Reichsgrenze.

Welche Bedeutung man diesem Besuch auch beimessen mag, es muss doch für alle klar sein, dass unser Land in einer gegebenen Situation genötigt sein kann, die Neutralität Narviks zu verteidigen.

Um dies durchzuführen, steht man heute praktisch ohne Mittel da. So wie die Verhältnisse heute liegen, kann Narvik ohne größeres Risiko angegriffen werden.

Die Stadt kann angegriffen werden durch

  1. ein Luftbombardement, oder

  2. von See

Ein Angriff von Osten kann – zunächst – nur aus Schweden kommen und muss wohl als weniger wahrscheinlich angesehen werden.

Zu 1): Narvik hat keinerlei Luftverteidigung

Bei der Mobilisierung soll nach den derzeit gültigen Plänen eine Luftverteidigung für Elvegårdsmoen aufgestellt werden, bestehend aus 6 Colt-Maschinengewehren mit dem allernotwendigsten Personal (4 pro Maschinengewehr). Für Narvik ist jedoch nichts vorgesehen. Dieser Umstand hat nun erhöhte Bedeutung gewonnen, unter anderem auch deshalb, weil eine Reihe von Pionier- und Sanitätsformationen Narvik ab dem Termin 1937 als Aufstellungsort bei der Mobilisierung haben.

Es ist möglich, dass eine eigene Luftverteidigung für Narvik geplant wird, da das Regiment weiß, dass gegenwärtig ein Gesamtplan für die feste Luftverteidigung des Landes ausgearbeitet wird (6. Div. 21/12 1935 Jnr 566/35-H). Aber die Frage steht vorläufig offen.

Zu 2): Die Marineanlage in Ramsund ist in Reserve gestellt.

Dadurch liegt der Zugang zu Narvik von der Seeseite offen. Keiner der Offiziere des Regiments hatte Gelegenheit, diese Anlage zu besichtigen, aber unter den Zivilisten kann man verschiedene Äußerungen hören, die Verwunderung darüber ausdrücken, dass die Anlage nicht in verteidigungsfähigen Zustand versetzt wird. Man fragt, ob die großen Werte, die hier investiert wurden, nur hinausgeworfen wurden. Dies schadet auch dem Ansehen der Landesverteidigung und dem Vertrauen in die Chefs der Landesverteidigung.

Obwohl die Division natürlich über die hier erwähnten Verhältnisse im Bilde ist, hat das Regiment es als seine Pflicht erachtet, diese Sache aufzugreifen.

Das Regiment erlaubt sich vorzuschlagen, dass gegenüber den Behörden die Forderung erhoben wird:

  1. Narvik eine Luftverteidigung zu verschaffen

  2. Die Marineanlage in Ramsund in verteidigungsfähigen Zustand zu versetzen sowie, wenn möglich, ein paar kleinere Fahrzeuge dort fest zu stationieren.

Dadurch wird dem Gefühl, das viele haben, dass Nordnorwegen ein minderwertiger Teil des Landes sei, entgegengewirkt, und wir werden uns Respekt bei anderen Nationen verschaffen, die verstehen werden, dass wir beabsichtigen, die Neutralität unseres Landes zu verteidigen.

Da jedoch mein Vertrauen in den Verteidigungswillen der Behörden nur so la la war – und nicht einmal das –, schickte ich am 29. Oktober 1936 folgenden Vorschlag an die Division:

„Betr. Narviks Luftverteidigung.

Unter Bezugnahme auf die frühere Korrespondenz in dieser Sache möchte ich darauf hinweisen, dass es möglicherweise richtig wäre, das Malmbolaget für eine moderne Luftverteidigung Narviks zu interessieren. Es sind ja in erster Linie die kostbaren Anlagen des Malmbolaget, die ein Luftbombardement treffen will, und der Schaden, der hier angerichtet werden kann, kann enorm sein. So kann etwa erwähnt werden, dass allein die Kaianlagen des Malmbolaget ca. 10 Millionen gekostet haben, obwohl sie in der billigen Zeit vor dem Weltkrieg gebaut wurden.

Ich habe nicht mit dem Disponenten des Malmbolaget darüber konferiert, da ich meine, er kann ohnehin nichts daran ändern.

Es ist die Hauptverwaltung des Malmbolaget, die die Entscheidung in einer solchen Sache hat, und aus diesem Grunde müsste wohl die Division die Frage aufbringen.

Für das Malmbolaget wären die Ausgaben für eine Flugabwehrbatterie eine Art Versicherungsprämie, und die Kosten würden kaum eine größere Rolle spielen, solange das Malmbolaget meint, dass der Export über Narvik während eines eventuellen Großmachtkriegs offengehalten werden sollte.“

Es gibt gewiss manche, die sich bei der Lektüre aufbäumen. Ich schlage ja vor, das schwedische Malmbolaget solle dazu überredet werden, eine militärische Flugabwehr für eine norwegische Stadt zu bezahlen – ein Vorschlag, der ein Skandal und eine Bankrotterklärung für das freie Land Norwegen ist. Aber die Lage war schlicht und einfach verzweifelt. Ich glaubte, es treibe auf den Krieg zu. Ich wusste, dass Narvik eine Luftverteidigung haben musste, deshalb schrieb ich so, und ich nehme an, dass die Division den Vorschlag nicht für ganz unvernünftig hielt, da ich ihn nicht zurückbekam und auch keine Kritik hörte.

Da weder aus Küstenbatterien noch aus Luftverteidigung etwas wurde, fuhr ich fort, an die Division zu schreiben, so am 17. März 1937:

„Neutralitätsschutz für den Ofoten-Abschnitt und Narvik

(6. Div. 19/2 1937 Jnr 173/37 H)

Einleitende Bemerkungen:

Während eines europäischen Krieges wird die forcierte Erzausfuhr, die von Narvik aus stattfindet, zweifellos zu den Faktoren gehören, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, und angesichts der enormen Bedeutung, die dieser Rohstoff für die Kriegsindustrie hat, ist leicht denkbar, dass die eine Partei versuchen wird, die Erzverschiffung zu stoppen. Die andere Partei, die zweifellos auf diese Gefahr aufmerksam ist und sich auch darüber im Klaren ist, dass Narvik heute so gut wie wehrlos daliegt, kann unter diesen Umständen es für notwendig erachten, Narvik zu besetzen und die Verteidigung zu besorgen, die die Norweger offensichtlich nicht zu führen beabsichtigen oder imstande sind.

Narvik kann auf diese Weise dem Angriff beider kriegführenden Machtgruppen ausgesetzt werden, und dies bereits gleich bei Beginn der Feindseligkeiten....“

Über die „Planung des Neutralitätsschutzes“ sagte ich im selben Schreiben unter anderem:

„Bei der Planung des Neutralitätsschutzes unter den gegenwärtigen Verhältnissen muss man damit rechnen, dass die Anlagen des Malmbolaget in Narvik, die Ofotbahn und der Neutralitätsschutz selbst angegriffen werden können:

  1. Von See

  2. Aus der Luft

Zu 1: Angriff von See

  1. Der Angriff kann durch U-Boote erfolgen, in der Absicht, Zerstörungen an den Anlagen und Kais des Malmbolaget anzurichten, Erzschiffe zu versenken und überhaupt die Erzausfuhr für kürzere oder längere Zeit zu stoppen.

Oder der Angriff kann mit leichten Kreuzern, Hilfskreuzern usw. erfolgen, deren Absicht es ist, Truppen und Kriegsmaterial zu landen, um das Gebiet zu besetzen und damit die Erzzufuhr für kürzere oder längere Zeit zu sichern.

Beide Formen des Angriffs müssen als plötzlich, als Überfall, angenommen werden und können in Verbindung mit dem Kriegsausbruch erfolgen.

Wie soll ein Angriff von See abgewehrt werden?

Der Verteidigungschef in Narvik muss – um seine Dispositionen treffen und den Neutralitätsschutz vorbereiten zu können – genauen Bescheid wissen, welche Pläne für die Marinestation Ramsund vorliegen.

Es ist klar, dass ein Angriff von See in erster Linie von Ramsund aus abgewehrt werden muss.

Hier kann vermutlich ein wesentlicher Teil des Fjords wirksam mit einem Minengürtel gesperrt und der Verkehr im offenen Teil durch Minenfahrzeuge (gern Kutter) kontrolliert werden.

Das Minenfeld muss bewacht und bestrichen werden können.

Mit den Mitteln, über die das Regiment allein verfügt, ist es völlig ausgeschlossen, einen Angriff von See abzuwehren.“

So wie sich die Lage im Herbst und Winter 1939/40 entwickelte, gefielen mir die Ausdrücke „Neutralitätswache“ und „Neutralitätsschutz“ immer weniger. Meiner Meinung nach gaben diese Bezeichnungen nicht das richtige Bild der Situation, in der sich unser Land befand.

Am 17. Februar 1940 schrieb ich daher so an die Division:

„Wie das Regiment bereits im Herbst sagte: Wir sollten uns nicht auf Neutralitätswache einrichten, sondern auf das Wahrscheinlichste: KRIEG!“

III Der Abriss, der 1940 möglich machte.

Wie man sieht, habe ich mit klaren Worten darauf hingewiesen, dass Narvik mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln nicht verteidigt werden konnte.

Dass die Deutschen die Stadt am 9. April 1940 so leicht besetzen konnten, kam daher für mich nicht überraschend, wohl aber für die norwegische Nation, die an das Geschwätz geglaubt hatte, das Verteidigungsnihilisten und Friedensidealisten dem leichtgläubigen Ola Nordmann in den Schädel gehämmert hatten.

„Wir brauchen keine Verteidigung“, sagte der Volksverführer. „Niemand wird eine kleine Nation wie Norwegen angreifen!“

„Wir bekommen jedenfalls so rechtzeitig Warnung, dass wir uns zum Widerstand rüsten können“ war ebenfalls eine ihrer Behauptungen.

Die Ereignisse von 1940 zeigten, dass diese Anführer falsche Propheten gewesen waren, und was nun den Außenminister angeht, der so rechtzeitig warnen wollte, dass wir Zeit zum Aufrüsten und für alle Vorbereitungen zum Widerstand bekamen... über ihn schreibt Major Langeland in seinem Buch „Dømmer ikke“ auf Seite 17:

„Ich werde unten aufzeigen, dass der Weitblick, den Außenminister Koht vertrat, ihn in die Lage versetzte, die Gefahr zu melden und die Mobilisierung vorzuschlagen – 12 Stunden nachdem deutsche Soldaten in Norwegen an Land gekommen waren.“

Dann schreibt der Major weiter über das, was die Regierung am 8. und 9. April 1940 unternahm:

„8. April:

15 Uhr: Koht erhält telefonische Meldung aus London, dass deutsche Flottenstreitkräfte auf Narvik zusteuern. Koht berichtet, dass da alles in ihm stillstand. Es wurde nichts unternommen.

17 Uhr: Meldung von General Liljedal, dass deutsche Soldaten bei Lillesand von einem torpedierten deutschen Schiff an Land gekommen seien.

‘Die Regierung schlief weiter.’

20 Uhr: Regierungskonferenz. Der Verteidigungsminister legte den Vorschlag des Kommandierenden Generals zur Mobilisierung vor.

Die Regierung wies den Vorschlag zurück und beschloss, zwei Bataillone einzuberufen. Die Generalstabsoffiziere bekamen Bescheid, dass sie nach Hause gehen könnten.

23.23 Uhr: Der Admiralstab meldet, dass feindliche Fahrzeuge Ferdö passieren. Kanonendonner ist zu hören.

‘Die Regierung schläft.’

00.25 Uhr: Fliegeralarm in Oslo.

Die Regierung kommt gegen 01.00 Uhr zusammen. Nichts beschlossen. Koht ging nach Hause, um Zahnbürste und Pyjama zu holen.

01.44 Uhr: Meldung: Vier große Kreuzer haben Fuglehuk um 24.00 Uhr passiert. ‘Die Regierung mobilisiert immer noch nicht.’

02.06 Uhr: Der Admiralstab erhält Meldung vom Angriff auf Bergen.

‘Gegen 03.00 Uhr beschloss die Regierung eine Teilmobilisierung mit Antritt am Donnerstag’ – also am 11. April!“

Major Langeland, MILORG-Chef in Oslo, rollt hier vor uns ein tragisches Bild der norwegischen Politik in einem schicksalsschweren Augenblick auf, doch wir können uns über wenigstens einen Lichtblick freuen: Es gelang dem Außenminister des Landes, seine Zahnbürste und seinen Pyjama zu retten! Mit anderen Worten: eine beachtliche Tat, denn es gab viele, die das nicht schafften. Es gab sogar viele Hunderte an diesem kalten Morgen, dem 9. April, die es nicht einmal schafften, das nackte Leben zu retten.

Major Einar Sagen sollte ebenfalls gehört werden, wenn unsere mangelhaften Verteidigungsvorbereitungen erörtert werden sollen.

In seinem Buch „Statsminister Nygaardsvold“, Staatsmann, Stratege und Gesetzesverbesserer, schreibt er auf Seite 7 und 8:

„Es war Nygaardsvold, der 1940 Ministerpräsident war. Er konnte daher die Verantwortung nicht von sich weisen und auf seine Untergebenen abwälzen. Eine Verantwortung lässt sich nicht teilen....“

„Es gibt mindestens vier Hauptanklagepunkte, die ich als Offizier gegen Ministerpräsident Nygaardsvold und seine Regierung erheben muss:

1. Zum Verteidigungsminister konnte er reine Antimilitaristen berufen. Das war zum Leid für Volk und Vaterland, Heer und Flotte, für das Offizierkorps. Staatsrat Monsen sagte rundheraus auf einer Arbeiterpartei-Versammlung: ‘Es war immer das Programm der Arbeiterpartei, dass die bürgerliche Verteidigung unbrauchbar gemacht werden soll.’ Und diesen Mann konnte Nygaardsvold zum Verteidigungsminister machen! Und es war vielleicht gerade diese Erklärung, die ihn zum rechten Mann in einem Arbeiterpartei-Ministerium machte. Er bezog 18.000 Kronen Gehalt aus der Staatskasse, um Norwegens Verteidigung unbrauchbar zu machen.

Und Verteidigungsminister Torp war am 6.2.1924 zu 5 Monaten Gefängnis wegen militärischer Aufwiegelung verurteilt worden. Trotzdem wurde er Verteidigungsminister. So etwas konnte nur in einem Land wie Norwegen geschehen. Viel weiter kann der Wahnsinn und Betrug es wohl kaum treiben.

Während seiner gesamten Amtszeit hat Nygaardsvold systematisch Norwegens Verteidigung vernachlässigt. Ihm fehlte der Wille, einen tauglichen Schutzwall zu errichten. Die Übungszeit kam nie über 84 Tage hinaus, von denen er wusste, dass sie weit unter dem zulässigen europäischen Minimum lagen. Das Ganze war offenkundiger Schwindel. Ja, ich sagte Schwindel!

Ministerpräsident Nygaardsvold mobilisierte viel zu spät. Schweden und die Schweiz mobilisierten sofort, als der Krieg zwischen Deutschland und England ausbrach. Aber in diesen Ländern saßen kluge, weitsichtige Männer am Staatsruder – kein Nygaardsvold. Norwegen hätte noch bessere Gründe gehabt, sich sofort bereitzumachen, da unsere Verteidigung so viel schwächer war. Aber Nygaardsvold verstand gar nichts...

Er verstand absolut gar nichts, bis der Feind im Lande war und er selbst aus der Stadt gejagt wurde und nordwärts, und da saß er auf einem Hocker und rang die Hände. ‘Nein, das hätte ich ja nie geglaubt’ und dies hätte er doch auch nicht gewusst. Das war ja sein und unser Unglück.

Er wusste, oder hätte wissen müssen, dass ein norwegisches Regiment 5 – fünf – Tage brauchte, um sich bereitzumachen, und dass die Seefestungen ebenso lange brauchten, um Minen ins Wasser zu bringen. Und trotzdem schickte er die Mannschaften nach Hause, die die schweren Kanonen bedienen und die Minen legen sollten.“

Major Sagen sagt über den Zweck seines Buches:

„Was ich mit diesem Buch wollte, war nur, dem Ministerpräsidenten ein Wort der Wahrheit zu sagen und dem Volk zu erzählen, wer die schwere Verantwortung für den Krieg und für den Nazismus trug, der dem Krieg folgte. Es heißt, Nygaardsvold und Torp hätten nun dazugelernt. Und das mag so sein, aber dieses Lernen hat das Volk Milliarden gekostet. Eine teure Schule.“

So schreibt Major Sagen in seinem Buch, das 1946 erschien.

Nachdem die norwegische Nation gesehen hatte, was 1940–45 geschah, ging sie hin und akzeptierte Torp als Ministerpräsidenten, während Nygaardsvold eine Ehrenpension und die Goldene Bürgerverdienstmedaille erhielt. Was soll man dazu sagen?

Andere Nationen hätten diese Herren für immer aus dem öffentlichen Leben verstoßen und sie vielleicht vor ein Kriegsgericht gestellt. Aber die Norweger taten das nicht. Vielleicht meinten sie, dass es die Nation selbst war, die vor Gericht gehörte. Es war ja sie, die die beiden Herren ins Parlament gewählt hatte. So wird vielleicht Henrik Ibsen recht behalten, der in einem Brief an Björnson schreibt, kurz bevor er mit Peer Gynt fertig war: „Etwas in mir sagt, dass unserem Volk nicht die Ewigkeit bestimmt ist, sondern nur eine kurze Frist. Es würde dem Knopfgießer auf seinem Weg begegnen und von ihm zusammen mit anderem Wrackgut eingeschmolzen und in eine neue und größere Nation aufgehen.“

Das Abrüstungsprogramm der Arbeiterpartei, für das sie über viele Jahre gearbeitet hatte, lautete:

Das Wehrpflichtgesetz vom 19. Juli 1910 mit späteren Änderungen wird aufgehoben.

Sämtliche Festungswerke werden stillgelegt. Das Material für Heer und Marine, das durch die Abrüstung freigesetzt wird, wird an andere öffentliche Einrichtungen überführt oder verkauft.

Militärische Werften, Fabriken, Werkstätten, Laboratorien usw. gehen in zivilen Betrieb über oder werden abgewickelt.

Die administrativen Organe des Militärwesens und der militärische Schulbetrieb werden abgewickelt. Das Personal, das durch die Abrüstung überflüssig wird, wird in andere Beschäftigung überführt oder vom Staat entschädigt.

Als Nygaardsvold am 20.3.1935 Ministerpräsident wurde, war dies sein „Verteidigungsprogramm“.

Nygaardsvold war ein ehrenwerter Mann. Er glaubte, Abrüstung würde seinem Vaterland Frieden bringen, so kann man ihn nur für eine Fehleinschätzung kritisieren. Schlimmer steht es um die Bürgerlichen, die meinten, die Landesverteidigung müsse gestärkt werden, sie aber trotzdem verfallen ließen. Sie hatten die Mehrheit im Storting in all den Jahren bis 1940 und tragen daher die Hauptverantwortung dafür, dass unser Land 1940 nur eine Spielzeugarmee besaß.

Einmal, als ich als Oberst in Oslo war, suchte ich Verteidigungsminister Monsen auf. Es war in der Zeit, als die Gesinnungsgenossen des Verteidigungsministers die Gardisten in Oslo besudelte, indem sie sie anspuckten und uns Offiziere als „silber- und goldgalonierte Mörder“ bezeichneten.

Ich ging hinauf zu meinem höchsten Vorgesetzten und sagte:

„Es gibt etwas, das ich Ihnen gern erwähnen möchte. Es hat in letzter Zeit einige verteidigungsfeindliche Agitation in der Presse und auf den Exerzierplätzen gegeben. Es wurde verteidigungszersetzende Literatur verteilt, und ich habe den Sachverhalt an höhere Stellen gemeldet, ohne dass etwas unternommen wurde, um dem Unwesen Einhalt zu gebieten. Mir scheint es daher, als sei es erlaubt, herabsetzend über die Landesverteidigung unseres Landes zu sprechen. Wenn dem aber so ist, muss ich als Offizier doch wohl die Sache der Verteidigung vor meiner Abteilung vertreten dürfen, ohne so beschimpft zu werden, wie es jetzt der Fall ist. Ist der Minister nicht derselben Meinung?“

Aber das war er wohl nicht.

„Sie müssen nämlich beachten, Oberst, dass wenn Sie als Regimentschef zu Ihren Untergebenen sprechen, Sie milde Gewalt gegen sie ausüben, und das können wir wohl nicht gestatten.“

Der Abriss über die Jahre vor 1940 brach das Rückgrat unserer Verteidigung und brach die Arbeitsfreude des Offizierskorps. Das Rückgrat des Heeres, mehrere tausend festbesoldete Unteroffiziere, wurden gestrichen, und ebenso erging es den festbesoldeten Offizieren. Es ging schließlich so weit, dass die Offiziere dafür bezahlt wurden, ihren Abschied zu nehmen. Wenn sie den Abschied nehmen wollten, sollten sie den größten Teil ihres Gehalts behalten, bis zu 90%, gegen eine minimale Dienstpflicht bei Waffenübungen. Auf diese Weise konnte es geschehen, dass bei einer Übung einmal drei Intendanten da waren: der tatsächliche Intendant, der arbeitete, und zwei, die vorher Intendanten gewesen waren, aber den Abschied mit „reduziertem Gehalt“ genommen hatten.

Die Einsparung war mit anderen Worten Schwindel.

Über die Einsparung schrieb übrigens der Vorsitzende des Militärausschusses, Major Alf Mjøen, am 16. August 1945:

„Dr. Scharffenberg räumt in ‘Oppgjør nå’ ein, dass die Arbeiterpartei ab 1935 die Hauptverantwortung für das Schicksal des Reiches trug, aber nicht die Alleinverantwortung, und äußert im Übrigen, dass die Besatzung vielfach teurer war als eine systematische Aufrüstung gewesen wäre.

Vielfach teurer, ja. Ich habe eine Rechnung versucht: Der Betrag, den die Besatzungsmacht – laut Angaben der Norwegischen Nationalbank – das Land kostet, abgesehen von der Zerstörung von Städten und der Finnmark usw., beträgt ca. 12½ Milliarden Kronen. Wir hätten also 250 Jahre lang – zweihundertfünfzig Jahre – jedes Jahr 50 Millionen für die Verteidigung bewilligen können für den Betrag, den die Besatzungsmacht das Land gekostet hat. So hat sich unsere Versäumnis und unser Vertrauen auf den Völkerbund leider schwer gerächt.“

Weiter schreibt der Major:

„In den vier Jahren von 1933 bis 1937 sabotierte das Storting das, was die Grundlage für die Einsparungen der neuen Heeresordnung ausmachte, nämlich Übungen abzuhalten.

Obwohl die Heeresordnung vom Storting 1933 verabschiedet worden war, blieb man zwei Jahre bei 60 Tagen, dann zwei Jahre bei 72 Tagen und erst im fünften Jahr wurden es 84 Übungstage. Während die Voraussetzung war, dass sofort 84 Tage eingeführt werden sollten.

Volle fünf Jahre sabotierte das Storting die ‘Aufhebung der Freistellung’. Man muss es fast als Betrug an uns im verstärkten Militärausschuss bezeichnen, die wir der neuen Heeresordnung zustimmten, weil sie doch etwas brachte, das besser war als das, was wir bisher hatten hinsichtlich des Wichtigsten von allem: Übungen. Erst während dieser verlängerten Übungen kann das Offizierskorps Ausbildung erhalten, denn wenn nur für Rekrutenschulen bewilligt wird, gibt es keine Übung für das Offizierskorps. Die bürgerliche Mehrheit des Militärausschusses führte in diesen Jahren immer wieder an, dass keiner unserer Bataillonskommandeure sein Bataillon geführt und kein Regimentschef sein Regiment gesehen hatte.

Selten wurden im Storting so starke Ausdrücke gebraucht wie die, die ich 1935 im Storting und in der Stellungnahme des Militärausschusses S.Nr. 129-1935 Seite 7 unten gebrauchte: ‘Es wird wohl kaum dazu beitragen, das Vertrauen in das Storting zu stärken, wenn man die erzielten Einsparungen als Einnahme verbucht, es aber unterlässt, die Voraussetzungen zu erfüllen, unter denen man zur neuen Wehrordnung mit ihren großen Kürzungen überging.’“

Es hat also seine Richtigkeit, was Scharffenberg anführt, dass die Arbeiterpartei ab 1935 die Hauptverantwortung für das Schicksal des Reiches im Jahre 1940 trägt. Die Arbeiterpartei war die größte Partei des Stortings, ab 1936 mit fast der Hälfte der Abgeordneten, 70 von 150.

Sowohl die Heeresordnung von 1927 als auch die Heeresordnung von 1933 waren schicksalsschwere Schläge gegen unsere Verteidigung.

Und die Verantwortung mag dort liegen, wo sie hingehört. Vor allem dafür, dass nicht rechtzeitig mobilisiert wurde. Nicht einmal Minen gelegt. Kurz gesagt: Nicht einmal die Verteidigung genutzt, die wir hatten.

Was Übungen betrifft, kann ich erwähnen, dass ich im Mai 1933 nach Narvik kam und sieben Jahre Regimentschef war, ohne ein einziges Mal mein Regiment gesehen zu haben. Es war nie zu Übungen eingezogen.

Als ich einmal während der Besatzung deutschen Offizieren davon erzählte, starrten sie verblüfft: „Nie zu Übungen eingezogen? Sie waren sieben Jahre lang Regimentschef, ohne jemals die Möglichkeit zu haben, Ihr Regiment auszubilden? Aber so etwas ist doch unmöglich! So etwas geht doch nicht!“

Doch. Es ging in Norwegen ausgezeichnet, wo das Volk das Verständnis für die Bedeutung einer starken militärischen Verteidigung verloren zu haben schien, sobald die Wikingerzeit vorbei war. Richtig schlimm wurde es nach 1905, als wir mit unserem einzigen möglichen Feind Frieden schlossen, und noch mehr nach dem Ersten Weltkrieg, als die Deutschen – die Urheber aller Zwietracht auf Erden – besiegt waren. Jetzt konnten wir es hier im Lande ruhig angehen.

Der Offizier musste schon ein steifes Rückgrat haben, der nicht den Mut verlor, und mit Galgenhumor suchten viele das Elend zu betrachten. So hatte Quisling wohl recht, als er einmal dasaß und von der Arbeit im Generalstab erzählte und dabei scherzte: „Krieg? Wir im Generalstab konnten uns durchaus vorstellen, dass Norwegen eines Tages in einen Krieg geraten könnte, aber wir pflegten immer zu sagen, dann müsste er allerdings während der Bürozeit kommen!“

Mit dieser Ausrüstung, mit dieser Mentalität, trat Norwegen dem Krieg von 1940 entgegen. Es ging schief. Furchtbar schief. Es war der reine Skandal.

Aber als der Rauch verzogen war, ging es, wie es nach militärischen Niederlagen zu gehen pflegt. Die Offiziere bekamen die Schuld. Sie waren unfähig, feige, verräterisch gewesen, oder alles zusammen. Und in besonderem Maße richtete sich der Hass gegen jene Offiziere, die Mitglieder der „Quisling-Partei“ Nasjonal Samling gewesen waren. Denn diese Partei war für den Wiederaufbau unserer militärischen Verteidigung und den kompromisslosen Kampf gegen Kommunisten und andere Verteidigungsfeinde eingetreten.

Vielleicht hatte ich deshalb solche Schwierigkeiten, das zu bekommen, was ich für Narviks Verteidigung brauchte, und deshalb gab eine aufgehetzte öffentliche Meinung mir die Schuld daran, dass „die Festung Narvik“ verloren ging. Diejenigen, die die Vergiftungspropaganda gegen die standfesteste nationale Gruppe in unserem Land leiteten, waren Leute, die ihr Handwerk verstanden.

IV Die Front zum Meer

Wie bereits erwähnt, gibt es etwas, das Ramsund-Befestigungen heißt.

Ramsund ist ein Sund, der vom äußeren Ofotfjord nordwärts zum Küstenweg vorbei an Harstad führt. Die Befestigungen waren darauf angelegt, den Verkehr auf dem Küstenweg zu sperren, nicht aber darauf, einen Feind daran zu hindern, durch den Ofotfjord nach Narvik vorzudringen.

In einem Schreiben vom 26.11.1952 teilt die Kriegshistorische Abteilung des Generalstabs mir über diese Befestigungen Folgendes mit:

„Zu Ihrem Schreiben vom 12. November 1952 über die Ramsund-Befestigungen teilt die Kriegshistorische Abteilung mit:

1. Das Marinedepot Ramsund hatte am 8. April 1940 eine Wachmannschaft von 25 Mann unter dem Kommando des Depotchefs, Leutnant A.K. Hoås.

2. Zwei ältere 10,3-cm-Kanonen waren auf Torholten, auf der Nordseite von Tjeldøya, am nördlichen Einlauf des Ramsund, montiert. Sie waren nicht gefechtsbereit oder mit Besatzung versehen.

Drei 15-cm-Kanonen, die am südlichen Einlauf des Ramsund auf Ramnes montiert werden sollten, waren nach vielen Jahren Lagerung nach Süden geschickt worden, um auf der Festung Bergen aufgestellt zu werden.

3. Die Deutschen schickten während der Einfahrt nach Narvik einen Zerstörer gegen Ramsund, das sie sowohl für bestückt als auch für bemannt hielten.

Eine Landungstruppe wurde an Land gesetzt und fand (dies war an der Südspitze) eine schneebedeckte Landschaft ohne Spur von Befestigungen.

Der Zerstörer zog daraufhin seines Weges.

4. Am 10. April wurde die Wachmannschaft beim Marinedepot von deutschen Soldaten gefangen genommen und nach Narvik gebracht.“

Wie man sieht, verfügten die Ramsund-Befestigungen über zwei ältere 10,3-cm-Kanonen auf der Nordseite von Tjeldøya. Die drei 15-cm-Kanonen, die am südlichen Einlauf montiert werden und den Ofotfjord sperren sollten, waren im März 1940 nach Bergen geschickt worden.

Ramsund gehörte nicht zu meinem Bereich als Verteidigungschef des inneren Ofoten. Es lag zu weit westlich. Ich fand es jedoch angemessen, näher zu untersuchen, wie es mit den Befestigungen bestellt war, und fuhr im Herbst 1939 hinaus, um sie in Augenschein zu nehmen. Ich fand die Lage so vor, wie von der Kriegshistorischen Abteilung geschildert, und sah auch die drei 15-cm-Kanonen, die unten am Kai lagen und die laut dem Aufseher in einer Batterie zur Verteidigung des Ofotfjords montiert werden sollten, die aber dann nach Bergen geschickt wurden. Sie sollen seit 1918 in Ramsund gelagert gewesen sein.

In Sortland in Vesterålen wohnt Rechtsanwalt, unbesoldeter Hauptmann Myhre. Am 23. August 1951 schreibt er an mich:

„Es ist ganz possierlich. Vor Deiner Zeit in Narvik war ich als unbesoldeter Hauptmann im Festungsartillerie Chef des Narvik-Abschnitts mit den Ramsund-Befestigungen, ohne dass das Ministerium es für nötig fand, dass ich Ramsund inspizierte. Es wurde geantwortet, es sei eher eine Formsache, dass ich von Agdenes nach Ofoten versetzt würde. ‘Es wird kein Bedarf für Sie sein.’“

Die Lage im äußeren Ofoten geht mit aller Deutlichkeit aus dem hervor, was die Kriegshistorische Abteilung schreibt. Aber es kann nicht schaden, das hinzuzufügen, was die 6. Division mir am 17. November 1953 mitteilt:

„1. Es gab keine Sicherheitsbesatzung auf Ramnes in der Nacht vom 8. zum 9. April.

2. Es stimmt, dass drei 15-cm-Kanonen seit dem Ersten Weltkrieg im Herbst 1939 in Ramsund lagen. Diese wurden im Januar oder Februar 1940 nach Bergen geschickt.

3. Es stimmt nicht, dass mit dem Bau einer Batterie im südlichen Ofoten begonnen worden war. Die 6. Division hatte vorgeschlagen, die drei genannten 15-cm-Kanonen am Südende des Ramsund aufzustellen, doch dieser Vorschlag verlor seine Grundlage, als die Kanonen fortgebracht wurden.“

Die Division hatte also vorgeschlagen, eine Batterie zur Verteidigung des Ofotfjords anzulegen, und der Generalinspekteur und Chef der Küstenartillerie erläutert den Plan in einem Schreiben vom 15. März 1940 an den Kommandierenden Admiral.

Der Generalinspekteur schlägt vor, eine Batterie von drei 12-cm-Kanonen auf Ramnes, alternativ Tjeldodden, aufzustellen. Die Kosten wurden auf insgesamt ca. 1.235.000 Kronen geschätzt.

Der Vorschlag des Generalinspekteurs ist, wie man sieht, erheblich schwächer als der der Division, die Kanonen von 15-cm-Kaliber forderte. Es sei bemerkt, dass jeder der deutschen Zerstörer, die in der Nacht zum 9. April den Fjord hinaufliefen, fünf 12,7-cm-Kanonen in Kasematten führte.

In einem Schreiben vom 23. März 1940 bringt der Kommandierende Admiral die Sache gegenüber dem Verteidigungsministerium zur Sprache:

„Wenn die Staatsmächte es für angebracht halten, den Ofotenfjord aufgrund der gegenwärtigen internationalen Lage zu befestigen, möchte der Kommandierende Admiral als Ausweg darauf hinweisen, dass man 12-cm-Geschütze von den alten Panzergeschützen dorthin disponiert. Darüber wird ein gesonderter Bericht auf Grundlage einer Untersuchung des Generalinspekteurs für das Ingenieurwesen nachgereicht.“

„Wenn die Staatsmächte es für angebracht halten...“

Es liegt ein tiefer Pessimismus in diesen Worten, ein Pessimismus, der durch Erfahrung geboren war. Der Admiral war sich völlig im Klaren darüber, dass eine verteidigungsfeindliche Regierung wohl keine Batterie in Ofoten bauen würde.

Es wurde denn auch nichts gebaut.

V Die Garnison Narvik

Als Kommandant ohne Festung saß ich also in Narvik und grübelte darüber nach, wie ich die Truppenmacht, die mir die Division bei der Mobilisierung zur Verfügung stellte, am wirksamsten einsetzen sollte:

1 Infanteriebataillon

1 Kanone Kaliber 7,5 cm.

Ich wusste, was ein Bataillon war. Dagegen hatte ich nicht viel Ahnung von Kanonen, so nahm ich meinen damaligen (1933) Adjutanten, Leutnant Jøntvedt, mit und fuhr nach Sildvik, wo die Kanone gut verwahrt in einem Schuppen stand. Wenn ich Jøntvedt mitnahm, lag es daran, dass er eine Artillerieausbildung hatte.

Die Kanone stand, wo sie stehen sollte, gut eingefettet und alles in Ordnung. Sie stand auf einer Eisenbahnwaggon-Plattform, die mit etwa 1 Meter hohen Stahlklappen versehen war, die hoch- und heruntergeklappt werden konnten, so dass die Kanonenbedienung etwas Deckung hatte. Die Kanone war außerdem mit einem kleinen Schutzschild versehen.

Wir bewunderten die Herrlichkeit, und dann sagte ich zu Jøntvedt:

„Nun, Sie als Artillerist. Öffnen Sie sie, damit wir hineinschauen können!“

Und Jøntvedt schraubte und drehte, aber es dauerte lange.

„Das ist ein alter Mechanismus, Oberst. Ich kenne ihn nicht!“

Aber schließlich ging der Mechanismus doch auf, und wir konnten sehen, dass die Kanone gezogen und schön war und all das! Ich bewunderte Jøntvedt, der sie aufbekommen hatte. Denn einige Zeit zuvor war ein Artillerieoffizier von Harstad heruntergefahren, und der hatte sie nicht aufbekommen! Das Bataillon hatte einen Büchsenmacher hinunterschicken müssen, um die Tür zum Allerheiligsten zu öffnen!

Wenn die Kanone auf einem Eisenbahnwagen stand, so deshalb, damit sie schnell nach Narvik transportiert werden konnte. Sie stand wie gesagt in einem Schuppen, und von diesem Schuppen führte ein Gleisstumpf zur Eisenbahnlinie.

So kam eines Tages Oberingenieur Vik von der Eisenbahn und sagte:

„Hören Sie, Oberst! Diese Schiene vom Schuppen zur Hauptstrecke bei Sildvik bereitet uns Schwierigkeiten und kann gefährlich werden. Im Winter legt sich Schnee und Eis dort, wo die Schiene zur Hauptstrecke kommt, und das kann zu Entgleisungen führen. Können wir die Verbindung nicht unterbrechen?“

„Wie lange wird es dauern, alles wieder in Ordnung zu bringen?“

„Etwa eine Stunde.“

„Dann können Sie ruhig unterbrechen. Der Krieg kommt wohl nicht so schnell!“

Ich erwähne dies, weil die „Unterbrechung“ während der Verhandlung meiner Sache vor dem Eidsivating-Militärgericht in Oslo im Frühjahr 1947 aufkam. Der Ankläger hatte von der Affäre Wind bekommen und brachte sie hervor:

„Der Angeklagte tat dies, um die Verteidigung Narviks zu schwächen!“

Eine der vielen phantastischen Beschuldigungen, die gegen mich in meinem Prozess erhoben wurden. Denn der Ankläger war ein äußerst phantasievoller Herr!

In jedem Verteidigungssystem gibt es etwas, das man das „Rückgrat der Verteidigung“ nennt, und in Narvik war es die 7,5-cm-Kanone, die das Rückgrat bildete.

Und was für ein Rückgrat!

Mit ihr sollte der Kommandant alle feindlichen Angriffe abweisen. Kam eine Flotte in kriegerischer Absicht den Fjord hinauf, erwartete man vom Kommandanten, dass er die feindlichen Schlachtschiffe und Kreuzer kräftig abfertigte, ihre Artillerie zum Schweigen brächte, die Panzerungen in Fetzen schösse und was sonst noch alles. Der Kommandant war verpflichtet, all dies zu schaffen, da es keine Minensperre im Fjord gab. – Denn die Norweger verwenden keine Minen. Sie mögen sie nicht. Sie finden wohl, dass Minen etwas Gemeines seien. Als es am Abend des 8. April nach Krieg aussah, nahmen sie daher die Minen wieder auf, die sie im Oslofjord gelegt hatten. Vielleicht aus der menschlichen Einstellung heraus, dass jemand darauf laufen und dabei zu Schaden kommen könnte.

Aber Narvik war also die Stadt mit der Kanone. Der einzigen, der unvergleichlichen. Als ich daher genötigt war, die Stadt am 9. April zu übergeben, erhob sich ein Aufschrei im ganzen Land:

„Wie, sollten Sie die Stadt nicht verteidigen? War das nicht Ihr Auftrag?“

Es nützte nichts, was ich sagte. Es kamen zehn deutsche Zerstörer in den Hafen, sagte ich. Sie versenkten beide unserer Panzerschiffe und setzten einige tausend Mann an Land. Diese Zerstörer hatten zusammen fünfzig 12,7-cm-Kanonen, wohlgedeckt in Panzerkasematten, und dazu Hunderte von kleineren Kanonen und Maschinengewehren. Die Deutschen hätten die Stadt in fünf Minuten in Trümmer schießen können, und dass sie nicht bescheiden waren, bewiesen sie, indem sie unsere Panzerschiffe ohne Warnung versenkten.

„Was konnte ich tun?“ sagte ich.

„Tun? Aber herrgott, Mann. Sie hatten doch die Kanone!“

Bevor ich dazu komme, die Kriegszeit zu beschreiben, möchte ich erwähnen, dass ich während meiner Jahre als Regimentschef drei verschiedene Divisionschefs hatte.

Der erste war Generalmajor Harald Johannessen. Der Mann, der keinen einzigen Tropfen zivilen Blutes in den Adern hatte. Aber deshalb konnte ich auch sicher sein, in ihm eine kräftige Stütze zu haben, wann immer ich etwas vorschlug, das militärisch vernünftig war.

Ich mochte Generalmajor Johannessen. Er war eine aufrechte und stattliche Soldatengestalt. Aber da er durch und durch Militär war, hatte er natürlich seine Kritiker, und einer von ihnen sagte eines Tages zu mir:

„Oberst. Ihr General ist völlig verrückt!“

„Was“, sagte ich. „General Johannessen verrückt? Niemals!“

„Doch“, sagte der Betreffende. „Er ist total übergeschnappt! Er glaubt doch tatsächlich, dass Norwegen eines Tages diese Verteidigung brauchen wird!“

Nach Generalmajor Johannessen kam Generalmajor Carl Erichsen. Einer der wenigen norwegischen Offiziere, der offen in der Verteidigungsdebatte Stellung bezog und der mit Wort und Feder für die Sache der Verteidigung eintrat. Ein Divisionschef, der wusste, dass er mehr durch verständnisvolle Zusammenarbeit mit seinen Untergebenen erreichen würde als dadurch, sich aufs hohe Ross zu setzen und alles Denken allein besorgen zu wollen.

Nach Generalmajor Erichsen kam dann im Frühjahr 1939 Generalmajor Carl Fleischer. Ein sehr tüchtiger Mann, aber unelastisch im Umgang mit Untergebenen. Es ist jedenfalls mein Eindruck, dass es ihm schwerfiel, eine einmal gefasste Meinung zu ändern, auch wenn ein Untergebener noch so sehr bewies, dass die Auffassung des Divisionschefs nicht die beste war.

Im Sommer 1933, als ich nach Narvik kam, war die Erzverschiffung nicht sonderlich groß. Es lagen selten mehr als 4–5 Erzdampfer im Hafen.

„Nein, da war das früher ganz anders!“ sagte ein Narvik-Bürger. „Da lagen die Schiffe so dicht, dass wir fast über sie nach Ankenes hinüberspazieren konnten! Es kam vor, dass wir dreißig Schiffe hier hatten!“

So war es also gewesen.

Und so wurde es wieder.

Die Erzverschiffung stieg stetig und sicher. Das Eisenerz aus den schwedischen Gruben ist ja das beste der Welt, und deshalb herrscht ein gewaltiger Wettbewerb darum, nicht zuletzt in der Rüstungsindustrie. Und während die Monate vergingen und die Verschiffung zunahm, begann mir zu dämmern, dass das etwas bedeuten musste, dass die Erzverschiffung geradezu ein Maßstab für die internationale Spannung war. Wer wissen wollte, ob es auf Krieg zusteuerte, brauchte nur nach Narvik zu kommen und den Erztransport zu beobachten, denn der nahm nach und nach phantastische Dimensionen an.

Die Erzzüge rollten unablässig aus Schweden. Ein Zug pro Stunde und jeder Zug mit 40 Erzwagen à 25 Tonnen Erz. Das sind etwa 25.000 Tonnen Erz, die täglich auf den gewaltigen Lagerplatz geschüttet wurden, den das Malmbolaget in Narvik hatte. Aber dort blieb es nicht liegen. Die zwei Verschiffungskaie des Malmbolaget übernahmen es, und an jeder dieser Kaie konnten gleichzeitig zwei Frachtdampfer 1.000 Tonnen pro Stunde laden.

Als der Verkehr am höchsten war, wurden im Laufe des Tages gut und gern 40.000 Tonnen Erz verladen, und wenn mitunter über 30 Schiffe auf ihre Ladung warteten, bekommt man einen Begriff vom Umfang des Verkehrs. In der guten alten Zeit waren es auch bis zu 30 Schiffe im Hafen, aber sie waren kleiner. Jetzt waren sie größer, oft über 10.000 Tonnen, und ich zählte einmal 35 davon.

So war ich nicht im Zweifel, dass es auf einen Konflikt zusteuerte.

Da es mehrere als mich gab, die dasselbe glaubten, wurde die Frage der Spione aktuell, und zuerst waren es die mysteriösen Flugzeuge, die über Nordnorwegen sausten und an die man in Südnorwegen nicht glauben wollte.

Aber Generalmajor Johannessen glaubte an sie und ebenso sein Nachfolger Generalmajor Erichsen. Die Division richtete einen Horchposten ein, und die aufgefangenen Funksprüche wurden mir zur Übersetzung übersandt, da sie auf Russisch waren.

Auf der anderen Seite der Grenze saß der Chef der Verteidigung Nordschwedens, General Reuterswärd, und er war derselben Meinung über die „Spökflygarna“ wie Generalmajor Johannessen. Also unternahm er eine Reise nach Harstad, um mit diesem Herrn zu sprechen.

Reuterswärd soll ebenfalls ein barscher Herr gewesen sein, weshalb ein schwedischer Offizier die Begegnung zwischen diesen beiden Burschen folgendermaßen schilderte:

„Och där i Harstad satt de två karlarna på kvar sin stol. Tittade på varandra och morrade!“

Eines Tages kam eine hübsche junge Dame zu mir ins Büro. Es war Gidsken Jakobsen aus Narvik, weltberühmt für ihre vielen und kühnen Flüge. Ich möchte nur an jenes Mal erinnern, als der Motor herausfiel, während das Flugzeug einen Kilometer hoch in der Luft war. Dass Gidsken und ihr Mechaniker Johnsen aus Liland heil herunterkamen, verdanken sie allein ihrer Kaltblütigkeit. Sie krochen nämlich an die Spitze des Flugzeugs und hielten es dadurch einigermaßen im Gleichgewicht, während es wie ein fallendes Blatt herabflatterte und sich auf dem Wasser niederließ.

Ja, die Gidsken. Das war ein Mädchen!

Also kam sie wie gesagt zu mir und lieferte eine scharfe Kritik an den Behörden, die nichts taten, um herauszufinden, woher die mysteriösen Flugzeuge kamen.

„Hier im Norden müssen Flugzeuge stationiert werden, die aufsteigen und ihnen folgen“, sagte Gidsken. „Will sonst keiner fliegen, werde ich es jedenfalls tun, aber der Staat muss mir eine schnellere Maschine besorgen, meine ist zu langsam!“

So schrieb ich denn an meine hohen Vorgesetzten und empfahl den Plan.

„Es war ein guter Plan“, sagte ich, „sofern der Staat nicht für Flieger sorgen wollte.“

Der Brief wurde fertig geschrieben, in einen feinen Umschlag mit Briefmarke gesteckt und abgeschickt. Damit endet auch die Saga von Gidskens Plan, denn es kam nie eine Antwort von den hohen Herren!

Aber es fliegen ja nicht alle Spione. Es gibt auch welche, die auf dem Boden herumlaufen, und von der Division bekam ich den Befehl, gut auf sie aufzupassen.

Aber das war gar nicht so einfach.

Es wimmelte ja von fremden Seeleuten in der Stadt, und etwaige Spione brauchten keineswegs Verkleidung und falschen Bart anzulegen, bevor sie sich zu ihrem finsteren Werk hinausschlichen, um die „Festung Narvik“ auszuspähen. Sie konnten einfach einen Spaziergang hinauf in die Höhen östlich der Stadt machen, sich an einem Tisch im Freiluftrestaurant Fjellheim niederlassen und dort eine Tasse Kaffee und ein Fernglas in Angriff nehmen. Unter sich hatten sie Narvik. Es war fast, als säße man in einem Flugzeug und schaute hinunter, und der Abstand war nicht größer, als dass ein kaffeetrinkender Späher das meiste von dem sehen konnte, was er sehen wollte.

Die Spione ließen sich in die fest ansässigen und die durchreisenden einteilen.

Fest ansässiger Spion Nr. 1 war der Vertreter der deutschen Erzkäufer beim Malmbolaget. Das meiste Erz ging ja nach Deutschland, vermutlich an ein Syndikat in der Rheinprovinz, und dieses Syndikat wollte nicht die Katze im Sack kaufen. Es hatte daher seinen festen Vertreter in Narvik. Er sollte dafür sorgen, dass alles mit rechten Dingen zuging, aus Käufersicht, und war also eine sehr wichtige Person, die mehrere Norweger in seinen Diensten hatte.

Dieser Deutsche berichtete natürlich alles, was von Interesse sein konnte, nach Deutschland – und noch ein bisschen mehr.

Gott und die Welt wussten, dass er ein Spion war, ähnlich wie Gesandte und Militärattachés, die ja auch international dafür bekannt sind, dass ihre Aufgabe darin besteht, das Land zu „studieren“, in dem sie sich gerade aufhalten. Für diesen Mann war Narvik und die Erzverschiffung ein offenes Buch. Kamerad Hitler brauchte keine weiteren Spione als diesen Meyer, später Müller, der legal angestellt und allgemein als Deutschlands Auge und Ohr anerkannt war.

Ich sagte Meyer, später Müller. Das kam daher, dass zuerst ein Herr Meyer da war, der aber – wohl im Frühjahr 1939 – durch einen Herrn Müller ersetzt wurde, der so korrekt war, dass er mir einen offiziellen Besuch abstattete. Man nimmt es genau mit den Formen, diese Ausländer.

Sowohl Deutsche, Engländer als auch Franzosen statteten mir in Narvik offizielle Besuche ab.

An einem schönen Sommertag, wohl 1939, kamen „die großen Herren“ aus Deutschland zu Besuch. Es war Direktor dies und Direktor das, und der längste von ihnen, ein Kerl von zwei Metern oder mehr, vertraute mir an, dass er eine historische Merkwürdigkeit sei.

„Was?“ sagte ich.

„Ja“, sagte der Deutsche. „Sie sehen hier vor sich den rechten Flügel des deutschen Heeres beim Einfall in Belgien-Frankreich 1914. Ich war der Flügelmann meiner Kompanie, meine Kompanie war die rechte Kompanie des Regiments und das Regiment war das rechte Regiment in von Klucks Armee. Ich war der äußerste Flügelmann und musste ausschreiten! Dreißig Kilometer pro Tag, mein Herr, Woche um Woche. Gut, dass ich lange Beine hatte!“

Der Disponent des Malmbolaget, mein guter Freund Herr Hoel, gab ein Mittagessen für diese Herren, und zu diesem Mittagessen wurde auch ich eingeladen. Und da das Haus des Disponenten ein Gourmettempel ersten Ranges war, hatten wir es recht gemütlich dort am Vormittag.

Aber danach übernahmen die Deutschen die Führung!

Zuerst schleppten sie uns auf einen Erzdampfer, der gerade ablegen wollte. Es war ein Holländer, und an Bord dieses Schiffes benahmen sich die Herren Direktoren recht frei. Es wurde getrunken, gesungen und wieder getrunken, und zu meiner großen Überraschung gehörte der Kapitän zu den eifrigsten Becherschwingern, so dass ich zu ihm sagte:

„Dürfen Sie Schnaps trinken, Kapitän? Sie sollen doch in ein paar Minuten auslaufen!“

„Natürlich trinke ich!“ sagte der Holländer. „Ich habe ja einen norwegischen Lotsen an Bord!“

Sobald wir von Bord gegangen waren, machte er los und lief aus, während wir anderen zum Fjellheim hinaufgingen, und von dort konnten wir sehen, dass der Holländer steten Kurs mitten im Fjord hielt. Er hatte die Steuerung also wohl dem Norweger überlassen!

Ich glaube, es war einmal 1938/39, als mein Freund, der mittlerweile verstorbene britische Konsul Aagaard, zu mir ins Büro heraufkam und fragte, ob es für ihn rechtmäßig sei, einer Bitte des britischen Konsuls in Oslo nachzukommen.

„Worum geht es denn?“

„Die Botschaft bittet mich, in Erfahrung zu bringen, welche elektrischen Kraftwerke es in Nordnorwegen gibt. Vielleicht ist es nicht richtig, diese Informationen zu geben?“

„Ich würde es Spionage nennen“, sagte ich. „Ich verstehe nur nicht, warum Sie diese Informationen sammeln sollen. Es gibt doch genügend Literatur, die der Botschaft Auskunft geben kann!“

Im Herbst 1939 wurde Herr Aagaard von einem Mr. Gibbs abgelöst, der mit mehreren englischen Beamten in seinem Gefolge aus England herüberkam.

Mr. Gibbs stattete einen feierlichen Besuch ab und erzählte dabei, dass er im Ersten Weltkrieg Kommandant eines Torpedobootzerstörers gewesen sei und den größten Teil des Krieges damit verbracht habe, den Verkehr im Kanal zu sichern.

Er und sein Gefolge ließen sich im neuen prächtigen Hotel „Royal“ nieder und gaben Anlass zu einigem Stadtgespräch, da man fand, sie benahmen sich so merkwürdig.

So fuhr jede Woche einer von ihnen mit Lindseths Auto nach Harstad, und ein junger Mann unter ihnen schleppte ständig einen kleinen Koffer mit sich herum, den er nie aus den Augen ließ. War er in Gesellschaft, stellte er den Koffer so hin, dass er ihn von seinem Platz aus sehen konnte. So rätselten die Leute sehr, was wohl in diesem Koffer sei. Ein Funkgerät? Niemand wusste es.

Während der britische Vizekonsul, der Norweger Aagaard, im Herbst 1939 von einem echten Briten abgelöst worden war, wurde der deutsche Vizekonsul, der Schwede Jonas Edholm, im selben Herbst durch einen waschechten Deutschen namens Wussow ersetzt.

Auch er stattete mir einen feierlichen Besuch ab, und ich erfuhr, dass er aus der Mandschurei kam, wo er irgendwo Konsul gewesen war. Auch er ließ sich im „Royal“ nieder, so dass wir nun dort alle Wespen versammelt hatten.

Aber um den Überblick zu wahren:

Im Herbst 1939 wurden sowohl das britische als auch das deutsche Vizekonsulat in Narvik von eigens entsandten Leuten aus den jeweiligen Ländern übernommen. Weder das Britische Empire noch das „Dritte Reich“ konnten diese Posten Ausländern anvertrauen.

So wichtig war also Narvik.

Das Regiment hatte von der Division den Befehl erhalten, gut aufzupassen, ob etwas Verdächtiges vorkam.

So schrieb ich eines Tages dem Polizeimeister der Stadt einen Brief etwa folgenden Inhalts:

„Das Regiment hat ein Interesse daran, zu erfahren, welche Informationen die Polizei über die Fremden in der Stadt besitzt. Da zwei der Offiziere des Regiments bei der Polizei beschäftigt sind, würde es das Regiment praktisch finden, wenn einer von ihnen, der zuverlässige und vertrauenswürdige Hauptmann Strømsnes, der Passkontrolleur ist, die Erlaubnis erhielte, Dinge von Interesse zu berichten.“

Die Antwort kam umgehend und war kurz und deutlich:

„Das Regiment kann die gewünschten Auskünfte nicht erhalten, da dies eine Polizeisache ist.“

Der Ton war gerärzt.

Nein, nein – aber bleiben Sie doch ruhig, Mann! Ich dachte nur, es gäbe so etwas wie Zusammenarbeit zwischen den Behörden!

Hier ist eine Spionagegeschichte, die ich gern erzählen möchte, da sie während meines Prozesses verhandelt wurde. Sie illustriert, was Norwegen unter Neutralität und Gleichbehandlung aller verstand:

Im Sommer 1935 bekam ich einen Brief von meinem Freund, Redakteur Jacobsen in Moss (dem Herausgeber von „Ragnarokk“). Er schrieb, ein Norwegen-Freund, Ingenieur Vitalis Pantenburg, werde mich besuchen, und empfahl diesen Mann meiner Aufmerksamkeit.

Als Pantenburg kam, war ich auf Elvegårdsmoen, und dorthin kam auch der Deutsche. Er erzählte, dass er viel in Skandinavien gereist sei, dass er mehrmals auf Svalbard und Grönland gewesen sei, und endete damit, darum zu bitten, norwegische Soldatentypen fotografieren zu dürfen.

Hauptmann Smiseth war damals Chef der Maschinengewehrkompanie. Ich übergab den Deutschen ihm, bat ihn darauf zu achten, dass er nichts von militärischer Bedeutung fotografierte, ihm aber im Übrigen Gelegenheit zu geben, einige tüchtige Männer des Regiments abzulichten.

Smiseth tat, wie ihm geheißen. Er hütete Pantenburg etwa eine Stunde und ließ ihn einige sehr gute Bilder von Leutnant Valle und Fähnrich Harald Vassbakk machen.

Ich war unterdessen in der Messe, und als ich wieder herauskam, war das Fotografieren vorbei. Der deutsche Ingenieur sagte nun auf Wiedersehen und reiste ab.

Ich hatte mich gegenüber dem Deutschen genauso verhalten wie gegenüber dem Franzosen, nur mit dem Unterschied, dass die Franzosen viel mehr zu sehen bekamen als der Deutsche. Auf Empfehlung des französischen Vizekonsuls in Narvik hatte ich nämlich Offizieren des kleinen französischen Kreuzers (Zerstörers?) „L’Aiglette“ sowohl Gewehrschießen als auch Scharfschießen mit Granatwerfer vorführen lassen. Die Offiziere spazierten frei auf dem Platz herum, da es ja auf Elvegårdsmoen keinerlei militärische Geheimnisse gab.

Von dem französischen Besuch gab es keine Presseschreiberei, aber von Herrn Pantenburgs Visite wurde ein gewaltiger Wirbel! Ich musste eine Erklärung abgeben, und die Sache ging hin und her, bis der Kommandierende General erklärte:

„Der Kommandierende General hat die Erklärung von Oberst Sundlo mit den Bestimmungen verglichen, die für den Besuch von Ausländern auf Exerzierplätzen und für das Fotografieren gelten. Es scheint klar hervorzugehen, dass der betreffende Ausländer (Pantenburg) keinen Aufenthalt auf dem Exerzierplatz gehabt hat. Es handelte sich um einen Besuch im Laufe des Tages. Es kann nicht als Regelverstoß angesehen werden. Wir haben ja mehrere Stellen, wo zum Beispiel öffentliche Wege mitten durch Exerzierplätze führen.

Das Fotografieren scheint vollständig kontrolliert worden zu sein, so dass auch dieses nicht als Regelverstoß angesehen werden kann oder Schaden verursacht hat.

Laake (gez.)

Birger Ljungberg

(gez.)“

Das Schreiben des Kommandierenden Generals war vom 19. November 1937 und an das Verteidigungsministerium gerichtet.

Es sei hinzugefügt, dass Vitalis Pantenburg mehrere Bücher über den hohen Norden geschrieben hat. Eines davon behandelt „Sowjets Griff nach Nordskandinavien“, ein anderes, das übrigens unter dem Namen seiner Frau erschienen ist, schildert eine Fahrt mit dem Rentierschlitten durch das Reich der Lappen in der Winternacht. Es heißt „Lappin Hullu“.

Es gab jedoch Leute in diesem Land, die sich nicht um die Erklärung des Kommandierenden Generals scherten. Sie passte nicht in ihre einmal festgelegte Meinung, so dass die Legende von meiner Zusammenarbeit mit deutschen Spionen am Leben gehalten wurde. Während der Zeugenvernehmung, die im Herbst 1946 in Narvik aufgenommen wurde, trat so ein alter Mann aus Liland in Ofoten auf und erzählte, ich habe eines Sommers auf dem Exerzierplatz Besuch von einem deutschen Offizier gehabt:

„Oberst Sundlo begleitete diesen Offizier hinunter zum Kaufmann Hansen in Bjerkvik, wo er eine Nachtunterkunft bekam. Und dieser Offizier war Deutscher. Denn meine Tochter diente damals beim Kaufmann Hansen, und sie sah, dass dieser Offizier einige Bücher auf Deutsch bei sich hatte. Das ist sicher! Denn meine Tochter kann Deutsch!“

Der alte Mann zitterte vor Erregung, als er dies erzählte. Aber er war guten Glaubens, der Arme. Er war einer der vielen, die von der Lügenpropaganda eingefangen worden waren.

Aber die Wahrheit über den spionierenden deutschen Offizier, der beim Kaufmann Hansen wohnte, ist, dass es sich um meinen guten Freund, den schwedischen Oberst Hahr, handelte. Er kam eines Sommerabends zu mir auf Elvegårdsmoen, nachdem er über das Gebirge von Riksgränsen gewandert war, und ich begleitete ihn zum Kaufmann Hansen und verschaffte ihm dort ein Nachtquartier. Am nächsten Tag reiste er weiter zur Touristenstation Gratangen.

Oberst Hahr war Chef des schwedischen Infanterieregiments Nr. 19 in Boden, und ich war mit ihm dadurch bekannt geworden, dass ich eines Tages einen Brief von ihm erhielt mit der Frage, ob wir als benachbarte Regimentschefs nicht besser miteinander bekannt werden sollten. Darauf antwortete ich mit Ja. Es wäre eine gute Idee.

Daraufhin lud ich ihn nach Narvik ein, wo wir im Fjellheim unsere gegenseitige Bekanntschaft bei einigen Gläsern Bockbier besiegelten, dem Lieblingsgetränk der Schweden, wenn sie nach Narvik kamen. Anschließend gingen wir zu mir nach Hause.

Über all die Jahre hielten wir unsere Bekanntschaft warm. Wir trafen uns ständig im Frühjahr zu Skitouren in den Grenzbergen, und schandhalber muss ich sagen, dass es immer Oberst Hahr war, der Gastgeber war, denn das beste Skigelände ist auf der schwedischen Seite. So erinnere ich mich, dass Freund Hahr uns einmal zu einer Skitour nach Ljåktatjokki einlud, gleich hinter der Station Riksgränsen und auf der schwedischen Seite der Grenze. Hier hatten die schwedischen Staatsbahnen gerade eine Touristenhütte eröffnet, wo wir zu Mittag aßen. Und danach fuhren wir die feinste Abfahrt, die ich je erlebt habe. Es ging hinunter, fast zehn Kilometer, und die Löipe war nicht steiler, als dass wir nur an wenigen Stellen bremsen mussten. Die Löipe endete an einer kleinen Station, deren Namen ich vergessen habe. Dort aßen wir zu Abend und nahmen dann den Abendzug zurück nach Narvik. Eine prächtige Tour!

Das große Ereignis in unserer Bekanntschaft war jedoch Oberst Hahrs Einsatz, uns Narvik-Offiziere für ein Schießwettbewerb in Kiruna zu gewinnen. Und was geschah, als wir die Einladung annahmen und zum Kampf antraten.

Um die Geschichte zu verstehen, muss man wissen, dass es beim 15. Regiment eifrige Pistolenschützen gab und dass wir gar nicht so schlecht schossen. Ein Jahr erkämpften wir uns so 12 der Pokale des Verteidigungsministeriums für vorzügliches Pistolenschießen, und Fachleute sagten, das sei eine beachtliche Leistung. Es gibt wohl kein Regiment im Lande, das etwas Ähnliches vorweisen kann. So meinten wir also, Chancen zu haben.

Indessen gab es auch andere, die trainierten. Das Luossavara Kiiruna Aktiebolag hatte in Kiruna einen Pistolenschuützenverein für seine Angestellten gegründet. Sie mussten ja etwas Abwechslung in den langen Winterabenden da oben in der Einöde haben, in der Kiruna liegt. Im Herbst 1935 sollte der Verein nun einen großen Wettbewerb veranstalten und hatte dazu die Offiziere in der Festung Boden eingeladen, wo Oberst Hahr war. Da kam dieser auf die glänzende Idee, mir zu schreiben und zu fragen, ob nicht das 15. Regiment mitmachen wolle. Wir seien herzlich willkommen!

Es war selbstverständlich, dass wir gern mitmachen wollten. Das Einzige, was uns plagte, war, wie es mit dem Schießen gehen würde. Die norwegische Militärpistole Colt macht ja gewaltige Löcher, wenn sie trifft. Aber ob wir trafen!

Indessen konnten wir uns nicht damit entschuldigen, dass unsere Pistolen nicht gerade Präzisionswaffen waren. Denn Oberst Hahr schrieb, wir könnten schwedische Pistolen leihen. Dadurch würden die Chancen gleich sein.

Wir fanden den Vorschlag annehmbar. Zwar würden die Schweden mit Pistolen schießen, die sie kannten, während wir mit unbekannten Waffen loslegen mussten, aber das war uns lieber, als mit unserer Colt zu schießen, die vermutlich dafür berechnet ist, Elefanten und Wale zu schießen.

So planten wir den Feldzug:

Ich sollte die offiziellen Reden halten, während mein Major Sverre Hermansen für das Übrige sorgen sollte. Der Chef des Landwehrbataillons, Oberstleutnant und Zahnarzt Opshaug, sollte die norwegischen Farben am Kartentisch verteidigen, während der hervorragende Maschinengewehrchef des Regiments, Hauptmann Arne Sunde, den Kampf mit den Schweden am Trinktisch aufnehmen sollte. Wir wussten, dass die Schweden gewaltig waren, aber wir setzten unser letztes Hemd auf Hauptmann Sunde, und er enttäuschte nicht.

Dann war da das Schießen – das war ja gewissermaßen der Hauptprogrammpunkt. Hier hatten wir weniger Hoffnung als beim Kartenspiel, Becherschwingen und diversen Reden. Aber wir brauchten ja einen Hauptvertreter, und als solchen wählte ich meinen treuen Adjutanten, Leutnant Jøntvedt.

So reisten wir ab. Von verschiedenen Gattinnen zum Bahnhof begleitet, die gern mitgekommen wären. In der Nacht kamen wir nach Kiruna, wo der Chef des Malmbolaget in Kiruna persönlich am Bahnhof erschien und uns in Empfang nahm. Ich erinnere mich nicht, wie dieser liebenswürdige Herr hieß, aber es war etwas wie Granholm oder Granberg, und er trug den Beinamen „Schwedens letzter Rallare“.

Das Malmbolaget ist keine Kleinigkeit. Wir wurden also nicht in einem „Gasthaus für Reisende“ untergebracht, sondern im eigenen prächtigen Hotel der Gesellschaft, wo wir zunächst zu Abend aßen und dann ins Bett gesteckt wurden. Ich wurde in Zimmer Nr. 1 einquartiert, erinnere ich mich, und wie meine Offizerskameraden bekam auch ich auf den Nachttisch einen Apfel und eine Flasche Selters gestellt, „für den Fall“, dass der Gast in der Nacht durstig oder hungrig werden sollte.

So soll man also hochgeschätzte Gäste empfangen!

Am nächsten Tag war Wettbewerb auf der Innenbahn, aber daran nahmen wir Norweger nicht teil. Wir gingen nur umher und schauten zu und sahen, was eine Führung, die sich für das Wohl ihrer Angestellten interessiert, für ihre Leute tut, um sie zu erfreuen. Denn die Schießstände befanden sich in den Hallen des Malmbolaget, und es war das Malmbolaget, das die elektrischen Anlagen für die beweglichen Scheiben finanziert hatte. Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen. Es gab Schießübungen, bei denen die Scheiben so und so oft innerhalb einer bestimmten Zeit erschienen, und das ganze Maschinerie wurde in Gang gesetzt, indem man nur an einem Knopf drehte. Es gab kein Geschrei und Gebrüll von Leitern und Anweisern. Alles lief vollautomatisch. Der Schütze erfuhr, dass die Übung begann, wenn der Knopf gedreht wurde. Das war alles.

Am Abend des ersten Tages gab das Malmbolaget ein Fest für sämtliche Teilnehmer und eine Menge Angestellte mit Damen. Insgesamt etwa 100 Personen. Da es gerade Martinstag war, bildete die fette Gans das Hauptgericht, aber darüber hinaus gab es eine Masse anderer guter Dinge. An nichts wurde gespart.

Am nächsten Tag wurde im Freien geschossen, und hier waren wir Norweger dabei.

Das Schießen war so arrangiert, dass die Schützen einzeln einer bestimmten Löipe folgten und an einer Reihe von Stationen eine genau festgelegte Schießübung absolvierten. Mal war es Schießen ohne Zeitbegrenzung auf eine Vollfigur auf große Entfernung und mal war es Schnellfeuer auf einen Kopf auf wenige Meter Abstand.

Die Anlage war sehr geschickt, es war ein Vergnügen, am Wettbewerb teilzunehmen.

Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass wir Norweger einen guten Eindruck machen würden, da wir alle zu Hause in Norwegen gut schossen, sowohl mit dem Gewehr als auch mit der Pistole. Aber in dieser Hoffnung wurde ich enttäuscht. Wir schossen wie die Stümper, so dass nur Leutnant Jøntvedt einen Preis mit nach Hause brachte. Wir anderen bekamen nichts.

Aber deshalb keine saure Miene. Die ganze Reise war ja über alle Maßen großartig und ist eine schöne Erinnerung fürs Leben für uns alle.

Am Abend des zweiten Tages gab es wieder ein großes Diner auf Kosten des Malmbolaget, aber diesmal nahmen nur Herren teil, so dass der Abend einen etwas anderen Charakter annahm als der Abend zuvor. Alles in allem waren etwa 50 Personen bei Tisch, darunter etwa 15 Offiziere aus Boden. Es wurde gegessen und gesungen, und diverse Redner wagten sich hervor, unter anderem Major Hermansen, der all unsere Erwartungen erfüllte. Wir Norweger grinsten, während die Schweden „skrattade“ und es „mycket roligt“ fanden.

Wir waren daher stolz auf unseren Major!

Als Regimentschef musste ich natürlich nachsehen, wie der Rest meiner Truppen kämpfte, und stellte mit Zufriedenheit fest, dass Oberstleutnant Opshaug siegreich vordrang und gerade die Nachbarvölker beim Kartenspiel geschlagen hatte. War es nicht das, was ich dachte! Verlass dich nur auf Opshaug, wenn es ums Kartenspiel geht!

Und dann war da Hauptmann Sunde; er kam schneidig und schwungvoll durch die Halle, und ich stoppte ihn:

„Nun, Sunde. Wie geht’s?“

Der Maschinengewehrchef schlug die Hacken zusammen:

„Ausgezeichnet, Oberst! Es gibt keinen Schnaps mehr in Kiruna. Wir haben alles ausgetrunken!“

Gegen Morgen begleiteten wir unsere schwedischen Offizierfreunde zum Bahnhof. Sie mussten ja ostwärts, und einige Stunden später waren wir selbst am Bahnhof und nahmen den Zug westwärts.

Und so waren wir wieder in Narvik, wo unsere Frauen einen Bericht darüber verlangten, was wir getrieben hatten.

So war es also, dass ich meinen Freund Oberst Hahr kennenlernte. Er war die unfreiwillige Ursache für das Gerücht, dass ich in den Jahren vor 1940 mit deutschen Offizieren verkehrte, die sogar zu mir auf Elvegårdsmoen kamen, um unsere geheimen Waffen zu studieren.

IV Es zieht auf. Wir bereiten uns vor

Als der Weltkrieg am 1. September 1939 begonnen hatte, wurden die deutschen und englischen Erzschiffe mit Maschinengewehren und Flugabwehrgeschützen bewaffnet. Es wurden immer mehr dieser bewaffneten Fahrzeuge, und eines Tages rechnete ich aus, dass allein die britischen Schiffe im Hafen eine Gesamtbesatzung von etwa tausend Mann mit 20–30 Kanonen und noch mehr Maschinengewehren hatten. Die Deutschen waren ebenfalls gut ausgerüstet, aber es waren nicht so viele von ihnen, da die englische Marine ja die Küste blockierte.

Mir kam es so vor, dass all diese fremden Fahrzeuge eine Gefahr für Narvik darstellten. Jeden Moment konnte eine Macht durch einen Handstreich die Stadt in Besitz nehmen. Zwar lagen einige norwegische Wachposten da und ich hatte ja die Kanone. Aber trotzdem schrieb ich an die Division, deren Chef jetzt General Fleischer war, und erklärte die Lage.

Die Antwort, die ich bekam, war trostlos:

„Wenn ein bewaffnetes Handelsschiff einer der kriegführenden Mächte zur norwegischen Territorialgrenze kommt, wird es von norwegischen Wachschiffen empfangen, die alle Verschlüsse der Kanonen in Verwahrung nehmen. Die Fahrzeuge, die im Hafen von Narvik liegen, haben daher keine Verschlüsse. Aber sie bekommen sie zurück, wenn sie Narvik verlassen und die Territorialgrenze auf dem Weg nach draußen passieren.“

So praktisch und einfach war das Ganze geregelt.

Aber was, wenn die Kapitäne so praktisch waren, dass sie Reserveverschlüsse mitgenommen hatten?

Als der Weltkrieg zu einer soliden Tatsache geworden war, griff man hierzulande zu gewissen Sicherungsmaßnahmen. Die Verteidigung wurde gestärkt.

So verstärkte man das Rückgrat in Narvik, indem man mir im Herbst 1939 noch 2 Kanonen schickte. Ganze 2 Kanonen, zusätzlich zu der einen, die ich bereits hatte.

Über diese letzten 2 Kanonen äußert sich im Dezember 1939 das Bergartilleriebataillon der Division:

„Die 6,5-cm-Bergkanonen eignen sich überhaupt nicht für die ihnen zugedachte Aufgabe. Sie gegen Ziele auf See einzusetzen, gehört nirgendwo hin.“

Das Bergartilleriebataillon war nämlich eine ehrliche Seele, die die Wahrheit sagte. Und die Wahrheit war, dass diese Kanonen Mitte des vergangenen Jahrhunderts veraltet waren. Das Kaliber war 6,5 cm. Sie hatten keine moderne Rückstoßvorrichtung oder Höhen- und Seitenrichtungseinrichtung. Sie konnten nur seitlich gerichtet werden, indem man die Kanone mitsamt Unterlage zur Seite wuchtete, und die wirksame Schussweite betrug 3.000 Meter.

Aber wo sollten sie nun aufgestellt werden?

Nun, oben im Gebirge, östlich von Narvik. Und dorthin fuhren wir sie denn auch. Es wurde gegraben und gehackt, und eines schönen Tages standen sie in feiner Stellung mit der Mündung zum Hafeneinlauf. Das Einschießen war in Ordnung. Jetzt kam es nur noch darauf an, dass der Feind in die Schusslinie steuerte, wenn er kam. Das Prinzip war also wie bei einem Selbstschuss. Man bringt den Selbstschuss an einer geeigneten Stelle an und hofft, dass das Wild geradewegs in die Mündung wandert.

Eines Tages kam ein Artillerieoffizier aus Harstad und sagte, er solle die Kanonen probeschießen. Alle drei! Hier wurde nicht geknausert!

Jawohl. Der gesamte Artilleriepark wurde herantransportiert und bei der Eisenbahnstation Sildvik in Stellung gebracht, wo er auf den Berg auf der anderen Seite des Rombakken losfeuerte. Es knallte ordentlich, und es poltern einige Steine herunter, wo die Granaten trafen.

Aber die Kanonen polterten auch! Das heißt, die beiden. Sie sprangen aus der Stellung und kippten um, und dann dauerte es eine Weile, bis sie wieder an ihrem Platz standen. Ein ausgewachsener Torpedobootzerstörer hätte in dieser Pause gewiss viele Kilometer zurückgelegt.

Mein Adjutant, Hauptmann Hjalmar Eriksen, war bei diesen Schießübungen dabei, die ihm wohl einen unvergesslichen Eindruck gemacht haben, denn in einem Brief vom 3.4.1951 schreibt er mir unter anderem:

„Jetzt muss ich sagen, dass Geld für die Verteidigung bewilligt wird! Es ist nicht wie in unserer Glanzzeit, als ein Regiment bei drohendem Krieg einen Bestand von z.B. 16 Paar Skiern mit Zubehör hatte, und das mitten im Winter bei meterhohem Schnee.

Erinnerst du dich an die 2 springenden Kanonen von 1868, die den Ofotfjord, den Beisfjord, den Rombakken und diverse andere Nebenfjorde mit Buchten und Sunden bestreichen sollten? Springend sagte ich wirklich! Bei jedem Schuss – bestenfalls einer pro 5 Minuten – sprangen sie 10–15 Meter zurück, dass die Funken stoben! Man tat gut daran, gebührenden Abstand zu halten. Mit denen war nicht zu spaßen!“

Die Narvik-Leute lieben frische Luft und streifen weit umher. Sie entdeckten nach und nach, dass oberhalb der Stadt zwei „Feldkanonen“ standen, und eilten sofort hin, um sie zu besichtigen.

Als sie zurückkamen, waren sie empört:

„Feldkanonen! Zum Teufel! Das ist ja bloß der reine Schrott!“

So schrieb ich an die Division:

„Nehmen Sie sie mir weg! Sie zerstören die Moral der Bevölkerung und der Truppe!“

Und der Plunder wurde tatsächlich abgeholt. Ein Gerücht besagte, die beiden alten Dinger seien nach Ost-Finnmark geschickt worden, um russische Angriffe auf das alte Norwegen abzuwehren.

Aber ich bekam keine anderen und besseren Kanonen anstelle der zwei, die an andere Fronten geschickt worden waren. Die Division unternahm jedoch einen Versuch, indem sie einer motorisierten Batterie, die in Bardu stand, den Befehl gab, nach Narvik zu fahren und sich bei mir zu melden. Die Batterie erhielt den Befehl am 8. April, kam aber nie an. Sie fuhr sich in den Schneewehen auf dem Gebirge fest.

Im Volksmund wurde dies folgendermaßen ausgelegt:

„Es war Oberst Sundlo, der die Batterie nach Narvik haben wollte, um sie den Deutschen zu übergeben, von denen er wusste, dass sie kommen würden. Aber glücklicherweise gab es einen Schneesturm, so dass die Batterie es nicht schaffte, nach Narvik durchzukommen. Und dadurch misslang der böse Anschlag des Verräters.“

In alten Zeiten, wenn die Bürger einer Stadt sich verteidigen wollten, bauten sie eine hohe Mauer rings um die Stadt. Wenn dann der Feind kam, nahmen sie einige Bündel Pfeile und einen ordentlichen Haufen Steine mit, um ihn willkommen zu heißen. Waren sie besonders umsichtig, nahmen sie auch ihre Weiber mit, da zornige Weiber ein prächtiges Geschick besaßen, wenn es darum ging, kochendes Wasser, geschmolzenes Blei oder ungeölschten Kalk dem Gast auf den Kopf zu gießen.

Sie waren eifrig, die Alten.

Aber die Zeiten ändern sich, und deshalb weiß jeder, dass Oslo 1940 nicht von einer Ringmauer oder von der alten Festung Akershus verteidigt wurde, sondern von Befestigungen weit draußen im Fjord. Die nächste war Oscarsborg bei Drøbak, 30 Kilometer entfernt, und die anderen waren noch weiter weg.

Als die Deutschen 1940 über Oscarsborg hinausgekommen waren, war die Sache für die Osloer klar. Alle, die konnten, versuchten fortzukommen, auch König, Regierung und Kommandierender General. Die, die zurückblieben, hatten Gelegenheit, die Deutschen friedlich den Karl Johan herabmarschieren zu sehen, assistiert von berittener norwegischer Polizei, die dafür sorgte, dass die armen Deutschen nicht belästigt wurden.

Es liegt keine Mitteilung vor, dass einer von Oslos vielen tausend tüchtigen Männern auf die Festung Akershus gelaufen wäre, um ein paar Schüsse mit der Salutbatterie abzufeuern. Es gab nicht einen Einzigen, der sich unten im Hafen mit dem Gewehr und den Taschen voller Patronen hingelegt hätte, um die Neutralität zu verteidigen. Nicht einen! Wozu hätte so etwas auch gut sein sollen? Die Garnison der Stadt, die Garde, machte sich davon. Sie folgte der Völkerwanderung nordwärts, und daran tat sie recht!

„Wenn man mit einem Feind, der stärker ist als man selbst, nicht auskommen kann, soll man versuchen, sich durch Flucht zu retten. Das hat der Prophet selbst bestimmt.“ So steht es im Koran.

So fand die öffentliche Meinung alles in Ordnung, was Oslo betraf. Anders war es mit Narvik, der „Festung“ Narvik, dem „Gibraltar des Nordens“. Das hätte ja verteidigt werden können, und als es fiel, brach Tambarskjelves Bogen, und damit ging Norwegen unter.

Wenn Narvik „Festung“ genannt wurde, war es vermutlich deshalb, weil unten am Hafen in Narvik zwei Blockhäuser lagen, eines im Osthafen und das andere im Westhafen (Framnes). Sie waren jeweils für 1 Maschinengewehr und 1 schweres Maschinengewehr berechnet und eine Besatzung von 6–8 Mann, und sie wurden im Winter 1939/40 von einer Landwehrkompanie gebaut, die die Division nach Narvik schickte.

Der Abstand zwischen den Blockhäusern betrug 3 km. Weitere Blockhäuser waren geplant, aber nicht fertig, als die Deutschen am 9. April kamen.

Ich bin mir sicher, dass es in Oslo nicht viele Menschen gegeben hätte, die ihre Stadt für eine Festung gehalten hätten, wenn ihre Verteidigung so „gestärkt“ worden wäre wie in Narvik, also mit einem kleinen Blockhaus pro 3 km Hafenlänge. Hätte das östlichste bei Nordstrand gelegen und das westlichste bei Lysaker, hätte der „Stärkegürtel“ insgesamt aus etwa 5 Blockhäusern bestanden mit zusammen 5 Maschinengewehren, 5 schweren Maschinengewehren und 30–40 Mann. Niemand in Oslo hätte geglaubt, dass eine solche Garnison eine deutsche Landung in der Hauptstadt hätte verhindern können.

Aber wenn es um Narvik ging, glaubten fast alle, dass eine solche Verteidigung möglich gewesen wäre.

Eines Tages im Herbst 1939 bestimmte die Division, dass auf dem Framnesrücken – also auf der Westseite der Stadt – eine Stellung für eine Infanteriekompanie gebaut werden sollte.

Das passte nicht in meinen Verteidigungsplan, so dass ich Einwände erhob. Aber die Division beharrte darauf und die Stellung wurde gebaut. Sie war 1940 fertig, wurde vom Divisionschef inspiziert und für in Ordnung befunden, und brachte uns keinerlei Vorteil. Sie war die Hauptursache dafür, dass das II. Bataillon des IR 13 am Morgen des 9. April umgangen und gefangen genommen wurde.

Auf diese Weise wurde Narvik also „befestigt“. Im Winter 1939/40 wurden zwei Blockhäuser und eine Feldstellung für eine Infanteriekompanie gebaut, und während meines Prozesses tat der Ankläger sein Bestes, die Zeugen dazu zu bringen, zuzugeben, dass Narvik eine Festung war. Aber keiner wollte.

Die Sache war so offensichtlich, dass im Urteil festgestellt wurde, Narvik sei nicht einmal ein befestigter Platz gewesen, sondern offenes Feld.

Ich übergehe hier die ausführlichen Abschnitte über die Bataillonsein- und -auslieferungen, die Übungen, die Inspektionen und die vielen Detailanekdoten und komme zur entscheidenden Nacht.

C SO KAM DER 9. APRIL

Nach Neujahr rollte das internationale Donnergrollen weiter über die Welt. Hier in Norwegen hatten wir die „Altmark“-Affäre im Februar, und in den ersten Apriltagen begann es auch in Narvik ein wenig zu wehen, denn da kam ein Neffe von Mr. Winston Churchill in die Stadt und besuchte Kommandeurkapitän Askim und mich.

Ich hörte zuerst von dem vornehmen Herrn, als meine Frau und ich am Sonntag, dem 7. April, nach Einladung einen Besuch an Bord des Panzerschiffs „Norge“ abstatteten. Auf dem Tisch lag eine Visitenkarte, die mir Kommandeurkapitän Askim zeigte:

„Dieser Herr war gestern hier. Er ist Journalist und Neffe von Churchill, und Sie können ihn morgen bei sich erwarten.“

Und der, der am Montagvormittag kam, war der englische Journalist. Was er wollte?

Nun, es ging um das Erz und die Mitternachtssonne und dies und das.

Er war einige Monate in Schweden gewesen, und da er in die Heimat zurückkehren sollte, lag es nahe, den Heimweg über Narvik zu legen.

Ich fand ihn einen sympathischen Kerl. Ich wusste ja nicht, dass sein lieber Onkel, Mr. Winston Churchill, sich seit Monaten damit beschäftigt hatte, den Überfall auf Norwegen vorzubereiten, was mittlerweile eine historische Tatsache und von vielen Seiten bestätigt ist, unter anderem von Mr. Churchill selbst.

Am 8. April, gleich nachdem Mr. Churchills Neffe gegangen war, rief Kommandeurkapitän Askim an:

„Es gibt ernste Neuigkeiten, Oberst. Ich habe soeben eine Meldung vom Admiralstab erhalten. Man hat mir gesagt, sie dürfe nicht weitererzählt werden, aber ich finde, ich kann es nicht unterlassen, sie Ihnen mitzuteilen.“

„Was ist es denn?“

Der Kommandeurkapitän las die Nachricht vor. Es war eine Meldung, dass die Deutschen am 5. April an Dänemarks Südgrenze aufmarschiert waren und dass 50 deutsche Kriegsschiffe durch die dänischen Sunde nordwärts gefahren waren.

„Sie dürfen das nicht weitererzählen!“ sagte Herr Askim.

Als der Ehrenmann, der er war, hatte er es für richtig befunden, sich über das Verbot des Admiralstabs hinwegzusetzen und mir die Nachricht mitzuteilen, was natürlich das einzig Richtige war. Ich musste ja unbedingt über die Lage unterrichtet werden.

Von der Division in Harstad hörte ich kein Wort über die Deutschen.

Ich alarmierte sofort Hauptmann Langlo und ordnete erhöhte Bereitschaft an. Alle Stellungen wurden besetzt.

Um 20 Uhr rief das Divisionsbüro an und bestätigte die Nachricht: Eine deutsche Flottengruppe sei auf dem Marsch nordwärts, vermutlich mit Kurs auf Narvik. Sie könne im Ofotfjord gegen Mitternacht, möglicherweise um 22 Uhr erwartet werden.

Ich beschloss, Major Spjeldnes’ Bataillon auf dem Exerzierplatz Elvegårdsmoen zu belassen – dort lagen in den Depots Kleider, Ausrüstung und Waffen für 5.000 bis 6.000 Mann. Fiele der Exerzierplatz, verlöre die Division eines ihrer drei Regimenter.

Aber Oberst Mjelde, der stellvertretende Divisionschef in Harstad, bestand auf Befehl von General Fleischer darauf, dass das Bataillon sofort nach Narvik überführt werde. Es war eine Entscheidung, die ich für militärisch falsch hielt. Ich erinnere mich, gedacht zu haben: „Bin ich verrückt, oder sind es die anderen?“

Um halb zwei Uhr morgens am 9. April traf Major Spjeldnes ein, durchnässt und erschöpft. Ich orientierte ihn über die Lage.

Um 3.37 Uhr meldete Kommandeurkapitän Askim: Ausländische Kriegsschiffe fahren in den Ofotfjord ein. Ich alarmierte sofort die Majore Spjeldnes und Omdal: „Die Deutschen kommen den Ofotfjord herauf. Sofort auf dem Büro melden und die Kompanieführer mitbringen!“

Um vier Uhr waren die Offiziere versammelt. Ich befahl: „Das Bataillon geht auf dem Framnesrücken in Stellung. Es wird auf die Deutschen geschossen, aber nicht auf die Engländer! Schießt lieber zu viel als zu wenig!“

Vom Divisionsbüro hatte ich bis 4.45 Uhr keinen Schießbefehl erhalten. Aber dank meiner eigenen Einschätzung hatte ich sowohl dem Flugabwehrbatteriekommandanten als auch dem Bataillon den Befehl zum Feuereröffnen auf die Deutschen gegeben – lange bevor der Befehl der Division am 9. April eintraf.

In jener Nacht geschah in Oslo Folgendes: Der Generalstab gab um 21 Uhr den Befehl, es werde in dieser Nacht keine weiteren Einberufungen geben. Die Regierung werde erst am nächsten Tag entscheiden. „Es ist jedoch Kontorvacht zu halten.“ Daraufhin gingen alle nach Hause und legten sich hin.

Quisling hatte recht gehabt: Der Krieg konnte nicht ernst genommen werden, wenn er außerhalb der Bürozeit kam.

Der Vormarsch des Bataillons kam nicht zustande. Als Hauptmann Strømstads Kompanie auf die Deutschen stieß, blieben beide Seiten stehen und schauten einander an, ohne zu schießen. Als Major Spjeldnes während meines Prozesses gefragt wurde, warum das Bataillon nicht geschossen habe, antwortete er:

„Der Befehl von Oberst Sundlo war klar, aber wenn wir nicht schossen, war es meine Schuld!“

Als ich dastand und beobachtete, was Major Spjeldnes unternahm, kam ein Soldat und sagte, ein deutscher Offizier wünsche mich zu sprechen. Vor dem Logenlokal trafen wir einen Oberstleutnant mit einem ganzen Gefolge deutscher Offiziere.

„Wenn Sie nicht sofort zurückgehen, eröffne ich das Feuer!“ sagte ich.

Der Oberstleutnant erhob Einwände.

„Wir eröffnen das Feuer in 15 Minuten“, sagte ich.

Major Spjeldnes: „Du musst ihnen mehr Frist geben! Ich kann das Bataillon nicht in 15 Minuten ordnen!“

Was sollte ich tun? Ich allein konnte die Deutschen nicht hinauswerfen! So sagte ich: „Sie können übrigens eine halbe Stunde haben!“

Aber nichts von dem, was ich hoffte, geschah. Die deutschen Abteilungen verlangsamten ihren Vormarsch nicht, und das norwegische Bataillon kam überhaupt nicht in Ordnung.

Knapp hundert Meter den Hügel hinunter von der Regimentschefsresidenz traf ich erneut eine Gruppe deutscher Offiziere und mit ihnen den deutschen Konsul in Narvik, Dr. Wussow. Ringsum standen deutsche Infanteristen mit schussbereiten Maschinenpistolen.

Der Konsul trat vor und wies auf einen Offizier mit roten Streifen an der Hose:

„General Dietl, Befehlshaber der deutschen Streitkräfte.“

Ich wiederholte meine frühere Forderung:

„Ich möchte den General ersuchen, die Truppen sofort aus der Stadt zurückzuziehen. Andernfalls schießen wir!“

Da sagte der General:

„Sie dürfen es nicht zum Blutvergießen kommen lassen. Hier geht eine Division an Land. In diesem Augenblick haben wir Dänemark, Oslo, Arendal, Kristiansand, Stavanger, Bergen und Trondhjem besetzt. Ihre beiden Panzerschiffe sind versenkt. Wir haben Ihren Exerzierplatz Elvegårdsmoen besetzt. Im Hafen liegen zehn Torpedobootzerstörer und weiter draußen im Fjord liegen zwei Schlachtschiffe.

Sie haben keine Chancen.

Sie dürfen nicht schießen!“

Ich nahm eine Übersicht der Lage. Von der Regimentsresidenz oben hatte ich gesehen, dass beide unserer Panzerschiffe verschwunden waren, während eine ganze Reihe fremder Kriegsschiffe an ihre Stelle getreten waren. Ich hörte kein Schießen. Die Stadt war in Wirklichkeit bereits besetzt.

Ich beugte mich den Tatsachen:

„Ich übergebe Narvik.“

Daraufhin gab ich Major Omdal den Befehl, die Abteilungen zu sammeln und alle Munition einzuziehen, und ging hinauf ins Regimentsbüro und teilte dem Divisionsbüro in Harstad mit, dass Narvik übergeben sei. Ich rief General Fleischer in Finnmark an und berichtete dasselbe.

Das Ergebnis war, dass das Regimentsbüro mich für abgesetzt erklärte und Major Omdal den Befehl gab, mich zu verhaften!

Omdal, der selbst Kriegsgefangener war, unternahm keinen Versuch dazu, sondern antwortete nur:

„Es ist nicht leicht für den einen Kriegsgefangenen, den anderen zu verhaften!“

Die Zeit nach dem 9. April

Bei der Übergabe Narviks war sämtliches militärisches Personal in Kriegsgefangenschaft geraten.

Aber die Deutschen passten zu Beginn nicht besonders auf, so dass sich eine ganze Reihe von Offizieren und Mannschaften aus der Stadt davonmachten, zum Teil in Zivilkleidern. Die Fähren fuhren planmäßig bis weit in den Tag des 9. April hinein, und mit ihnen reisten viele Leute, die fortwollten.

Am nächsten Tag, Mittwoch dem 10. April, kamen die Engländer. Ein Zerstörer der 2. Britischen Zerstörerflottille glitt langsam an den Kaianlagen des Malmbolaget entlang und griff die deutschen Zerstörer an. Das britische Überfall war sehr erfolgreich – zwei deutsche Zerstörer wurden durch Torpedos versenkt, während zwei weitere durch Artilleriefeuer beschädigt wurden.

Am Samstag, dem 13. April, kam die britische Zerstörerstaffel mit Verstärkungen zurück, darunter das Schlachtschiff „Warspite“, dessen 38-cm-Kanonen die Häuser in der Stadt erzittern ließen. Alle zehn deutschen Zerstörer wurden entweder versenkt oder auf den Strand gesetzt.

Am 23. April sah ich, dass die norwegischen Kriegsgefangenen im Schulhof antraten und über den Marktplatz zur Eisenbahnstation marschierten. Am Abend sagte der Obermaat:

„General Dietl räumt Narvik. Morgen Abend um 21 Uhr marschieren wir aus der Stadt die Eisenbahnlinie hinauf. Alle müssen mit, auch die Frau Oberst.“

Am nächsten Abend, dem 24. April 1940 um 21 Uhr, klopfte der Obermaat an die Tür:

„Herr Oberst. Jetzt marschieren wir!“

Meine Frau und ich hatten Skier und Rucksäcke, und außerdem zog ich einen Schlitten mit etwas Kleidung und Esswaren hinter mir her. Die Deutschen hatten keine Skier.

Es schneite. Aber mit vereinzelten Aufhellungen dazwischen, und diese Aufhellungen liebten wir nicht. Denn draußen im Rombakken lagen englische Zerstörer und übten Zielschießen auf alles, was sich entlang der Eisenbahnlinie bewegte.

Wir schleppten uns durch Tunnel, an Wachtposten vorbei, unter Beschuss der britischen Zerstörer. Bei jeder Schneeböe nutzten wir die Deckung, um an gefährdeten offenen Strecken vorbeizuhaschen.

„Du hast wirklich Glück gehabt mit deiner Ehe, Katrine“, sagte ich zu meiner Frau, als wir aufbrachen. „Jetzt schießen sie sogar mit Kanonen auf dich!“

Am nächsten Tag schleppten wir uns weiter nach Sildvik und von dort den steilen Aufstieg hinauf nach Hundalen. Die britischen Kriegsschiffe „durchsuchten das Gelände“ mit ihren Kanonen. Aber keiner von uns wurde getroffen.

Einige Zeit später machte ich General Dietl den Vorschlag, meiner Frau die Rückkehr über das Gebirge nach Beisfjord zu gestatten. Der General genehmigte es, und so machten wir uns auf Skiern auf den Weg. Auf Sildvik trafen wir General Dietl, der meiner Frau die Hand gab:

„Ich habe selbst Kinder“, sagte er. „Ich verstehe sehr gut, dass Sie von Hundalen weg und zu Ihren Kindern in Ballangen wollen. Es war mir nur eine Freude, Ihnen diesen Dienst zu erweisen!“

Er stand und starrte hinüber zum Elektrizitätswerk in Trældal, das gerade vom Zerstörer beschossen wurde. Ich sah, wie es in dem Gebäude aufblitzte. Es kam Rauch. Es kamen Flammen.

Der General betrachtete es durch sein Fernglas:

„Warum tut er das?“ hörte ich ihn murmeln. „Warum?“

Später wurden wir Kriegsgefangenen nach Björnefjell hinaufverlegt. Am 28. Mai hatten die Norweger und die Alliierten Narvik besetzt. Aber nur wenige Tage später zogen sie sich wieder zurück.

Die Großmächte hatten beschlossen, Norwegen zugunsten wichtigerer Kampfgebiete aufzugeben.

Und am 11. Juni teilte ein deutscher Offizier uns mit, dass das norwegische Oberkommando kapituliert habe.

Der Krieg war zu Ende.

Kommuniqué:

Am 12. April fand die Division den Zeitpunkt für gekommen, Folgendes in der Presse zu veröffentlichen:

Angesichts der vielen Gerüchte über die Kämpfe in der Stadt Narvik teilt die 6. Division mit:

Für den Ofoten-Abschnitt mit der Stadt Narvik war Oberst Sundlo als Verteidigungschef bestellt und hatte unter anderem die Pflicht, eine Landung fremder Truppen zu verhindern.

Am Abend des 8. April gab die Division den Befehl, Truppen von Elvegårdsmoen nach Narvik Stadt überzuführen. Andere Abteilungen wurden nach Elvegårdsmoen befohlen, kamen aber wegen Schneeschwierigkeiten nicht durch. Die letzten Truppen waren gerade nach Narvik übergeführt worden, als die Deutschen die norwegischen Panzerschiffe überfielen und sofort mit der Landung von Truppen begannen.

Oberst Sundlo begann sofort über einen Waffenstillstand zu verhandeln und zog die Truppen nach Framneset über. Die Deutschen besetzten das Gebiet quer durch die Stadt, so dass die norwegischen Truppen zwischen den Deutschen und dem Meer eingeschlossen waren.

Der Divisionschef, der sich in Ost-Finnmark befand, wurde telefonisch über die Lage informiert und gab dem Stellvertreter von Oberst Sundlo, Major Omdal, den Befehl, Oberst Sundlo zu verhaften, so viele Abteilungen wie möglich zu sammeln und sich durchzuschlagen.

Die Verhaftung von Oberst Sundlo gelang nicht. Aber der Durchbruch wurde entschlossen durchgeführt.

Ich habe nach der Besatzung Gewissheit erlangt, dass General Fleischer mit diesem Kommuniqué nichts zu tun hatte, denn er äußerte in Bardu gegenüber Hauptmann Langlo:

„Ich habe nie gedacht oder gesagt, dass Oberst Sundlo ein Verräter war. Ich habe nie ein Kommuniqué herausgegeben!“

Schluss

Es liegt außerhalb des Rahmens dieses Buches, eine Kritik der militärischen Operationen im inneren Ofoten zu geben. Aber einiges muss gesagt werden:

Als General Dietl im Seegefecht vom 13. April alle seine Kriegsschiffe verloren hatte und vor der Möglichkeit einer alliierten Landung stand, räumte er Narvik. Seine Hauptmacht sammelte er im Landesinneren mit Basis auf Björnefjell, während er nur eine kleinere Wachtruppe in Narvik zurückließ, hauptsächlich auf der Ostseite der Stadt. Als die Alliierten am 28. Mai angriffen, trafen sie daher nicht auf eine deutsche Verteidigungsstellung auf der Framnes-Höhe, sondern stießen auf eine deutsche Front.

General Dietl disponierte also anders als General Fleischer es für richtig hielt, wenn die unbefestigte Stadt von der Landung feindlicher Truppen bedroht wurde, die von einer Flottengruppe unterstützt wurden. General Fleischer wollte ja, dass die Infanterieverteidigung auf der Westseite der Stadt geführt werden sollte.

Hätte General Dietl nach dem „Plan Fleischer“ disponiert, wäre die gesamte Narvik-Garnison genommen worden.

Ich habe nie verstehen können, warum nicht die 6. Division in Skjomen landete. Ich bin ja mehrmals über die große, leicht begängliche Hochfläche gewandert, die sich von Skjomen bis Björnefjell erstreckt. Hier hätten mehrere Bataillone Skiläufer nebeneinander vorgehen können.

Hätte die 6. Division von Skjomen aus nordwärts gegen den Rücken der Deutschen gestoßen, wäre es mit General Dietl und seinen Gebirgsjägern aus gewesen.

Einmal während der Besatzung sprach ich mit General Dietl über die Kämpfe in Ofoten, und ich sagte unter anderem:

„Der General hat bei den Operationen in Nordnorwegen Glück gehabt.“

„Wieso?“

„Sie wurden falsch angegriffen“, sagte ich. „Die Alliierten stießen im Norden und Westen vor, während sie starke Kräfte nach Skjomen hätten schicken und Sie von Süden angreifen sollen!“

„Sie haben recht“, sagte der General. „Ich habe manche Nacht wach gelegen vor Angst vor einer solchen Möglichkeit. Aber es blieb beim Schrecken. Es kam kein Angriff. Die Alliierten konnten sich untereinander vermutlich nicht auf eine solche Operation einigen.“

Es liegt auf der Hand, dass die Küstenstadt Narvik nur durch vorgeschobene Befestigungen gegen den Angriff einer feindlichen Flotte verteidigt werden konnte. Deshalb gibt es auch die Festungsanlagen draußen im Oslofjord zur Verteidigung Oslos, Kvarven und andere zur Verteidigung Bergens und Agdenes zur Deckung Trondhjems. Und als diese Anlagen genommen waren, war es auch mit Oslo, Bergen und Trondhjem vorbei. Nirgendwo wurde versucht, die Deutschen im Straßenkampf hinauszuwerfen.

Und es gab deswegen kein Geschrei.

Aber über Narvik wurde geschrieen, und das nicht zu knapp!

Narvik, das nicht durch vorgeschobene Befestigungen gedeckt war und an festen Anlagen nur zwei Blockhäuser mit 8 Mann in jedem besaß, wurde von der Propaganda zur Festung erhoben und als „Gibraltar des Nordens“ bezeichnet. Und in einem monatenlangen, für das Land kostspieligen Prozess arbeitete der Ankläger aus allen Kräften daran zu beweisen, dass Narvik hätte verteidigt werden können, und dass es nur durch die Dummheit, Feigheit und den Verrat des Kommandanten in die Hände der Deutschen gefallen sei. In seinem letzten Plädoyer erlaubte er sich sogar die Ungeheuerlichkeit, an das Gericht gewandt zu sagen:

„Was wird das Ausland sagen, wenn dem Angeklagten nicht die Todesstrafe auferlegt wird?“

Eine Äußerung, die meinen Verteidiger hochfahren ließ, blass vor Zorn und mit empörungsbebender Stimme:

„Ich hätte nie geglaubt, dass ich so etwas in einem norwegischen Gerichtssaal hören würde!“

Was nun „die Stadt mit der Kanone“ angeht, so wird jedermann, ebenso wie das Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof, sich darüber im Klaren sein, dass sie gegen den deutschen Angriff nicht verteidigt werden konnte. Sie hätte daher zur offenen Stadt erklärt und geräumt werden sollen.

Aber Narvik wurde nicht zur offenen Stadt erklärt.

Die Garnison wurde nicht zu besserer Verwendung anderswohin befohlen.

Gegen meinen energischen Protest wurde die Stadt mit Infanteristen gefüllt, die nicht einmal sich selbst verteidigen konnten, geschweige denn andere.

Und, mit blinder Verachtung für Tatsachen, erhielt der Kommandant der Stadt den Befehl, „Narvik um jeden Preis zu halten“ mit Hilfe eines kläglichen Infanteriebataillons, einer 7,5-cm-Kanone und zwei Blockhäusern mit 8 Mann in jedem.

Und die Behörde, die diesen Befehl gab, wusste, dass eine deutsche Flottengruppe angedampft kam. Eine Flottengruppe!

Nach der Besatzung wurden die Ereignisse in Narvik vor dem Eidsivating-Militärgericht juristisch beleuchtet.

Das Urteil, das am 13. Mai 1947 fiel und dem der Oberste Gerichtshof am 5. Oktober 1948 beitrat, sprach einstimmig von dem Vorwurf des Verrats frei.

Aus den Urteilsgründen kann dies von Interesse sein:

„Die Disposition des Angeklagten über seine Abteilungen für den Kampf in der Nacht kann getadelt werden, aber die Lage war so unübersichtlich und die Schwierigkeiten wegen des Unwetters und der geringen Stärke der Abteilungen im Verhältnis zur Ausdehnung des Gebiets so groß, dass das Gericht nicht annimmt, dass eine Bestrafung in Betracht kommt. Über die tatsächlichen Verhältnisse wird auf die frühere Darstellung verwiesen. Dies gilt auch für den Abschluss des ‘Waffenstillstands’. Er kann an sich nicht als rechtswidrig angesehen werden.

Dass er nichts tat, um eine Demarkationslinie zu errichten, und nicht gegen das Vordringen der Deutschen usw. protestierte, wie in der Anklageschrift dargelegt, kann ihn nicht strafbar machen. Jeder Versuch in dieser Richtung musste nach der Lage als aussichtslos angesehen werden. .......

Auch wird der Angeklagte nicht für schuldig befunden, sich ohne gebührenden Widerstand gefangennehmen gelassen zu haben. Die Schwierigkeiten entwickelten sich so schnell und die Übermacht war so groß, dass es nicht gerecht wäre, ihn dafür zur Verantwortung zu ziehen, der Gefangenschaft nicht entkommen zu sein......

Das Gericht ist einstimmig der Auffassung, dass die Stadt Narvik weder Festung noch befestigter Platz war, auch wenn es einige mehr oder weniger vorbereitete Stellungen innerhalb des Stadtgebiets gab: zwei Blockhäuser und besetzte Schützengräben. Narvik ist als offene Stadt anzusehen, und die Übergabe ist als im offenen Feld erfolgt zu betrachten.

Das Gericht ist der Auffassung, dass das Verhalten des Angeklagten hinsichtlich der Übergabe unter den gegebenen Umständen nicht als strafbar angesehen werden kann. Die Entwicklung war zu jenem Zeitpunkt in das Stadium gelangt, dass der Angeklagte und seine Truppen von einem völlig überlegenen Feind eingeschlossen waren. Alle Mittel zur Verteidigung waren im Sinne des Gesetzes als erschöpft anzusehen, auch wenn sie überhaupt nicht eingesetzt worden waren, und jede Aussicht, sich durchzuschlagen oder rechtzeitig Entsatz zu erhalten, musste als ausgeschlossen erscheinen. Der Angeklagte musste eine augenblickliche Entscheidung treffen und die wahrscheinliche katastrophale Folge des Widerstands zu jenem Zeitpunkt abwägen gegen die Pflicht, die Ehre des Landes und seine eigene zu wahren, indem er die Übergabe verweigerte und die Stadt der Beschießung aussetzte, auch durch die Kriegsschiffe..... Keiner seiner Offiziere, keine der Behörden der Stadt hat daher die Übergabe als solche kritisiert....“