Aus den Aufzeichnungen von Konrad Bertram Holm Sundlo:
Mathias Conrad Peterson. Geboren in Flensburg am 21. September 1761, gestorben am 14. Februar 1833.
Mathias Conrad Peterson kam als Handelsagent nach Trondhjem, war eine Zeit lang Buchhalter beim Handelshaus Alexander H. Friedlieb und Co. sowie Sekretär im Kontor von Lysholm.
Später war er Kaufmann in Trondhjem, wo er 1801 Hauptmann bei der Artillerie der Bürgergarde wurde. Er wurde vom Storting zum Mitglied der Direktion der Norges Bank gewählt und starb in dieser Stellung am 14. Februar 1833.
Von 1795 bis 1799 war er Redakteur und Herausgeber der „Trondhjemske Tidende“. In den Jahren 1798 und 1799 gab er das „Quartbladet“ heraus, gründete 1798 die Zeitung „Trondhjems Budstikke“, bei der er bis 1810 Mitarbeiter war, und entfaltete überhaupt eine recht bedeutende journalistische Tätigkeit. Im „Norske Nationalblad“ von 1821 schrieb er „Über Einschränkungen der Pressefreiheit“, wofür er unter Anklage gestellt wurde. Der Prozess, der bis zum Höchsten Gericht ging, endete mit Freispruch für alle. Die Prozessakten veröffentlichte er 1823 unter dem Titel „Justizaktion gegen M.C. Peterson“.
Obwohl Flensburger von Geburt, fühlte er sich als ein vollblütiger Norweger und eifriger Patriot. In seinen zahlreichen Aufsätzen bekämpfte er jedes Verhältnis, das er als einen Angriff auf die Norweger als freies Volk ansah. So war er ein eifriger Vorkämpfer für die festliche Begehung des Freiheitstages am 17. Mai.
In der „Nationen“ vom 30. September 1950 konnte man folgenden Artikel von Olav Myre lesen:
„Der Vater der 17.-Mai-Feiern. Er hieß nicht Henrik Wergeland, sondern Mathias Conrad Peterson.
In der vortrefflichen Erstausgabe des ‘Dansk Biografisk Leksikon’ (1886–1904), die wir kurz ‘Brikka’ nennen, schreibt Professor Yngvar Nielsen Folgendes über den Schleswig-Trønder Mathias Conrad Peterson:
‘Seine Bewunderung für die norwegische Verfassung brachte Peterson dadurch zum Ausdruck, dass er als Erster von allen in Trondhjem Gedenkfeiern für das Grundgesetz vom 17. Mai veranstaltete, die wiederum zum Vorbild für die nationalen Feierlichkeiten an diesem Tag wurden, die ab 1824 mit wachsender Beteiligung in ganz Norwegen begangen wurden. Peterson wird daher zu Recht als der ‘Vater der 17.-Mai-Feiern’ bezeichnet, und als solcher hat er seinen Platz in Norwegens neuerer Geschichte erhalten.’
M.C. Petersons Name war, wie man versteht, weder Historikern noch Politikern oder Patrioten im Allgemeinen fremd. Das Wesen und Wirken des Mannes war derart, dass es überhaupt nicht in der Menge untergehen konnte.
Er war nicht nur ein eingewanderter Süderjüte, der sich glücklich fühlte, in einem Land eingeburgert worden zu sein, das sowohl das Zensurjoch als auch die Alleinherrschaft Königlicher Majestät abgeworfen hatte – jene, die in seiner ersten Heimat noch immer gedieh. Er war darüber hinaus ein Mann mit Humor und angemessener Respektlosigkeit, ein Charakter, der den Kampf liebte und geistige Kraftmessen mit allem, was Säuerlichkeit, Trägheit und bucklige Loyalität gegenüber alten Vorurteilen und steifnackigen Autoritäten hieß. Er war nicht wenig ein Wecker nach der vierhundertjährigen Nacht, eine neue, lebendige und mündliche Pontoppidansche Erklärung, die nötig war, um durch Fragen und Antworten seinen neuen Mitbürgern zu erklären, was in Wirklichkeit dem alten Norwegen widerfahren war.
Mathias Conrad Peterson war erst ein Bursche Anfang zwanzig, als er von einem Schiff im Dänemark-Norwegen-Handel in Trondhjem im Jahr 1782 an Land ging. Die Bemühungen, dem Felsenland eine Universität und eine Bank zu verschaffen, waren damals, zusammen mit vielen anderen norwegisch-nationalen Forderungen, in voller Entwicklung.
Peterson schlug sich, wie die meisten Schleswiger in Norwegen, auf den Kaufmannshandel. Die materiellen Angelegenheiten waren für den Lebensunterhalt notwendig. Andere, ziemlich uneinträgliche und gefahrvolle Interessen, besonders der Journalismus, nahmen jedoch nach und nach einen breiten Platz in seinem Lebensprogramm ein. Er wurde 1795 Redakteur der „(Königlich) allein privilegierten Trondhjemer Adress-Cont. Nachricht“, oder „Adressavisen“, die er in „Trondhjemske Tidender“ umtaufte. Später erhielt das Blatt seinen alten Namen zurück.
Peterson wohnte in der Krambodgaten. Der Straßenname erinnert an Teerfässer und alten merkantilen Konservatismus – recht ein satirischer Fleck zum Wohnen für einen lyrisch beflügelten dänischen Herrn, der nichts Prächtigeres wusste, als die Fenster aufzureißen, damit frische Böen reichlich hereinströmen konnten aus der weiten Welt mit der großen Französischen Revolution im Rücken.
Im Grundgesetz des 17. Mai hatte das verarmte, aber zählebige und freiheitsoptimistische norwegische Volk gerade solche Fenster bekommen – mit Haspen aus Gold und edelstem Glas, Fenster, die jedem Sturm standhielten, sowohl von Meeres- als auch von Trondhjemer Stärke.
Sein nächster Nachbar in der Krambodgaten war der residierende Kaplan am Trondhjemer Dom, späterer Bischof in Kristiania, Friderich Julius Bech, der mit Peterson gemein hatte, dass auch er von Geburt Däne war, sich aber zum guten Norweger gewandelt hatte. Bech konnte bisweilen ebenfalls die Fenster aufreissen, aber in etwas anderer Absicht als sein Nachbar Mathias. Die beiden gerieten – natürlich, hätte ich beinahe gesagt – aneinander. Doch das erfordert eine eigene Chronik und einen dafür besonders geeigneten Schreiber.
Der Großteil der Beamten stammte aus dem „südlichen Ausland“ – sie gingen um die neue Verfassung herum wie die Katze um den heißen Brei. Sie trugen Scheuklappen vor den Augen und steckten sich Watte in die Ohren. Und das große Volk, der gemeine Mann, war lange völlig desorientiert. Das Ganze war so unbegreiflich. So völlig gegen den Stil der Zeit und die jahrhundertealte Verehrung des Landesvaters auf Seeland und seines zahlreichen schmarotzenden Kreises und entsandten Vögte. Obendrein war ein neuer und keineswegs weniger gnädiger Landesvater aus Frankreich über Schweden unterwegs. Bald erklang die Stimme der Zucht und des Wir-allein-wissen von Osten, während sie vierhundert Jahre zuvor von Süden gekommen war.
Nichts lag unserem Mathias Conrad Peterson näher, als alles zu bekämpfen, was nach einer neuen Union schmeckte. Doch er – und viele mit ihm – verlor. Die Schwedische Union kam und Carl Johan mit ihr. So blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen – und weiterzukämpfen. Alles war ja nicht verloren. Dort drüben an der schönsten Wand hing Norwegens Grundgesetz in Glas und Rahmen. Es galt wahrlich noch immer. Jedenfalls Paragraph 100 – auf mit den 17.-Mai-Fenstern!
Niemand verstand die neue Sachlage besser als gerade ganz gewöhnliche Menschen von dort unten aus dem Süden, die in landesväterlicher Zucht und Ermahnung aufgezogen worden waren. Sie verstanden und nahmen an, was die Eidsvoll-Nation an herrlichen Gaben erhalten hatte. Das Land im Sonnenaufgang war nicht länger bloß ein Gutsbesitzergrundstück für fremde Adlige und andere Glücksjäger, die ihre Netze nach Goldfischen in Mitgiftformen auswarfen.
Unter diesen schlichten, braven, begabten Menschen von dort unten war also der Schuhmachersohn aus Schleswig, Mathias Conrad Peterson. Heute steht er in unserem Bewusstsein als vielleicht der mutigste und merkwürdigste von ihnen allen, jedenfalls einer der fremdgeborenen, die es fertigbrachten, Spuren zu hinterlassen weit über die Krambodgaten und Trondhjem hinaus.
Zahlreich waren die vielen klugen Ideen und Reformvorschläge, die Peterson vorbrachte und für die er kämpfte. Oft sah er gute Ergebnisse seiner Mühen, doch ein gewaltiger Böyg musste erst aus dem Weg geräumt werden.
Das Vetogespenst erschien bereits zu Petersons Zeit, doch er war schnell mit einem Angriff auf Carl Johans Vetoproposition von 1821 zur Stelle.
Mitte der 1820er Jahre feierten die Trønder den 17. Mai mit einem Umzug durch die Straßen, Salutschüssen, Flaggenschmuck, Hurrarufen und festlicher Stimmung in der ganzen Stadt, mit Peterson an der Spitze. Carl Johan blickte in königlichem Zorn auf diese ungelegene und völlig unerwartete Demonstration für ein freies und unabhängiges Norwegen. Nach der Auffassung des Königs und der Schweden sollte der 4. November (der Unionsvertrag) gefeiert werden. Am liebsten überhaupt keiner von beiden. 1828 kam ein königliches Verbot der 17.-Mai-Feier, das jedoch nicht einmal sofortige Wirkung zeigte. Wir erinnern uns an die Marktplatzschlacht in Kristiania 1829.
Peterson wurde natürlich, besonders wegen seines mutigen Kampfes für die Pressefreiheit, von der Statthalterregierung strafrechtlich verfolgt, die nicht verstand – oder vielmehr: weder vermochte noch verstehen wollte –, dass jetzt, zumindest in gewissem Maße, die Norweger selbst bestimmen sollten, wo es langging. Selbstverständlich wurde er von den Gerichten freigesprochen. Aber der neue gallische König und seine Gefolgsleute duldeten keine Aufrührer, und niemand weiß, wie es Peterson finanziell ergangen wäre, hätte nicht das Storting mutig und unbeeinflusst ihn zu einem der Direktoren der neu gegründeten Norges Bank (1816) gewählt, deren Hauptsitz nach Trondhjem verlegt wurde. Diese Stellung gelang es den Machthabern nicht, ihm zu entreissen, obwohl sie es versuchten. Er saß in der Direktion der Norges Bank bis zu seinem Tod.
Er wurde auch auf viele andere Weisen geehrt, wurde Mitglied in Komitees und Kommissionen. Er erlebte sogar, Mitglied der feinen, hochwohlgeborenen Königlichen Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften in Trondhjem zu werden.
Zu allem Überfluss erhielt er ein beinahe fürstliches Begräbnis.
Mehrere haben in früheren Zeiten über ihn geschrieben, doch in den letzten paar Generationen ist er nahezu vergessen worden.
Was die Feier des 17. Mai betrifft, hat Henrik Wergelands Name Peterson völlig verdrängt. Aber Henrik Wergeland wäre der Letzte gewesen, der anderen die Ehre genommen hätte.....“